Winter

Winter

Du lieber Frühling! Wohin bist du gegangen?Noch schlägt mein Herz, was deine Vögel sangen.Die ganze Welt war wie ein Blumenstrauß,längst ist das aus!Die ganze Welt ist jetzt, o weh,Barfüßle im Schnee.Die schwarzen Bäume stehn und frieren,im Ofen die Bratäpfel musizieren,das Dach hängt voll Eis.Und doch: bald kehrst du wieder, ich weiß, ich weiß!Bald kehrst du wieder,o nur ein Weilchen,und blaue Liederduften wie Veilchen! (Arno Holz)

Meine Religion ist die Liebe

Meine Religion ist die Liebe

Es gab eine Zeit da ich meinen Nächsten ablehnte, wenn sein Glaube nicht der meine war.Mein Herz ist fähig geworden, alle Formen anzunehmen:Es ist Weide für Gazellen und Kloster für Christenmönche,Tempel für Götzenbilder undKaaba für Pilger,es ist Gefäß für die Tafeln der Thoraund die Verse des Korans.Denn meine Religion ist die Liebe.Ganz gleich, wohin die Karawane der Liebe zieht, ihr Weg ist der Weg meines Glaubens. (Ibn’ Arabi)

Ilija Trojanow, Gedankenspiele über die Neugier

Ilija Trojanow, Gedankenspiele über die Neugier

Wer kennt aus der Kindheit nicht den Vorwurf: „Sei doch nicht immer so neugierig!“ Krönung war: „Du darfst alles essen, aber nicht alles wissen.“ Und was stachelt ein solches Verbot an? – Die Neugier!! Doch wohin käme man/ frau ohne Neugier? Ist es die bloße „Gier“ aufs Neue, Andere, Unbekannte, die einen in die Welt hinausgehen und sie erforschen lässt? Oder ist Neu-Gier in manchen Fällen tatsächlich übergriffig, grenzüberschreitend? Und wenn ja – wer legt es fest? Mit Ilija Trojanow…

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Milena Michiko Flašar, Ich nannte ihn Krawatte

Milena Michiko Flašar, Ich nannte ihn Krawatte

„Ich nannte ihn Krawatte“ ist ein kurzer Roman, dessen Inhalt sehr leise, zart, dennoch tiefgründig, poetisch erzählt wird und – zumindest bei mir – tiefes Mitgefühl hervorgerufen hat mit den beiden Protagonisten Taghuchi Hiro, einem zwanzig Jahre alten Hikikomori, der isoliert in einem Zimmer der elterlichen Wohnnug lebt, seit Jahren kaum noch Kontakt zu Menschen hat, nicht mehr spricht und kaum noch in die Öffentlichkeit geht, und Ōhara Tetsu, einem fünfzigjährigen arbeitslosen Angestellten, der es nicht schafft, seiner Frau von…

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Ich möchte

Ich möchte

… Ich möchte in die LichtweitenHundert Arme breitenWie Zweige –Armzweige mit BlätterfingernUnd dann fühlen wie Mittagsgluten,Wie LichtflutenDurch sie schlingern – Ich möchte aus deinem Wirbelkopf,Lebensbaum,aus dem LaubtraumWie Lichtgetropf,Wie WindsingenMich aufschwingenIn den Weltraum! (Gerrit Engelke)

Aufgelesen

Aufgelesen

„Neues Buch löst Bauchfett bei Frauen ab 40“ – Wie habe ich mir das denn vorzustellen?umschnallen, in die Hose stecken, lesen statt essen? Oder reicht’s vielleicht, es unters Kopfkissen zu legen …?

günter abramowski, das leichte ist im schweren

günter abramowski, das leichte ist im schweren

Wer sich im Alleinsein, im Schmerz, in der Einsamkeit befindet, gestrandet ist, sieht sich existentiellen Fragen ausgesetzt. Der fragt sich, wer er ist, wo und wie er Halt findet: im schmerz ich bleibe mirverzehre den schmerzfirewall in endlosigkeit singe durch michallesfressendes augeallem leid bin ich fassungslos Der schafft es vielleicht – zumindest im Gedicht – aber auch zu erfahren: leichtigkeit ist ein niveau das unten hab ich aufgehobenlege mir den grund nach obenalle dinge ziehn heraufdie tiefe in den himmel…

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Ich lebe

Ich lebe

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,die sich über die Dinge ziehn.Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,aber versuchen will ich ihn. … (Rainer Maria Rilke)