Antonio Fian, Nachrichten aus einem toten Hochhaus

Antonio Fian, Nachrichten aus einem toten Hochhaus

Die Erzählungen des nur 115 Seiten umfassenden Bandes „Nachrichten aus einem toten Hochhaus“ sind nicht so düster, wie Cover und Titel vermuten lassen, eher skurril, allerdings oft getragen von schwarzem Humor.

Der überwiegende Teil der Geschichten sind relativ kurze „Traumgeschichten“, in denen absurde Situationen geschildert werden, bei denen man sich nicht sicher sein kann, ob sie sich nicht doch so oder ähnlich ereignet haben könnten: fantastisch, fantasievoll, traumhaft, surreal, eben Geschichten „IM SCHLAF“, Erzählungen nach Träumen:

„DAS ZIMMER, IN DEM ICH ERWACHTE, war weiß getüncht, weiß die Einrichtung, weiß die Bettwäsche, weiß gekleidet auch der junge Mann, der nun eintrat und auf einem Samtpölsterchen, wie eine Reliquie, eine Spritze vor sich hertrug, die er auf dem Nachtkästchen ablegte. Nun sei es soweit, sagte er freundlich lächelnd, ich möge mich bereit machen. Da erinnerte ich mich, dass ich mich vor einigen Tagen in eine Sterbeklinik begeben und einen Kontrakt unterzeichnet hatte, in dem ich darum bat, durch eine Giftspritze ‚von meinem irdischen Dasein befreit zu werden.'“

Und genau da beginnt in der Traumgeschichte der Albtraum: Der Patient, also der Ich-Erzähler hat es sich anders überlegt. Doch unterschrieben ist unterschrieben, ein Rücktritt ist nicht vorgesehen …

In anderen Geschichten rufen Menschen an, die gar nicht mehr anrufen können, weil sie schon gestorben sind und bitten um eine Stange Zigaretten, weil sie von da, wo sie sind, nicht mehr wegkönnen. Das Besorgen der Zigaretten, kein Problem, doch wohin sollen sie gebracht werden?

Ich mag solche Geschichten, auch wenn sie nicht unbedingt sinn-voll sind, unterhaltsam sind sie auf jeden Fall, man kann sich beim Lesen den Geschichten kaum entziehen.

In den beiden längeren, eher essayistisch anmutenden, scheinbaren Reiseerzählungen „In der Mur-Mürz-Furche“ und „Nachrichten aus einem toten Hochhaus“ setzt sich Antonio Fian ironisch, kritisch eher mit österreichischer Literatur, ihren schwarz-braunen Flecken und auch mit dem Verhältnis aktueller politischen Parteien Österreichs zur Literatur ihrer Heimat auseinander. Dabei scheut er sich nicht, klare Worte und einen entsprechenden Standpunkt zu finden:

„Das Einzige, was die Freiheitlichen im Zusammenhang mit Literatur bis jetzt zustande gebracht haben, sind Hassparolen gegen Schriftsteller, „wollt ihr Jelinek und Co. oder Kunst und Kultur?“ dergleichen brüllen sie von ihren Plakaten mir ihren Biertischorganen. Die Freiheitlichen halten das für politische Slogans, aber alle anderen wissen, dass nur ihr Neid aus solchen Sätzen spricht, in Wahrheit wären sie selbst gern Künstler … .“

Auf jeden Fall lesenswert.

Antonio Fian, Nachrichten aus einem toten Hochhaus, Erzählungen, Literaturverlag Droschl, Graz-Wien, 2020, 117 S., ISBN 978-3-99059-059-1



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