Joan Didion, Blaue Stunden

Joan Didion, Blaue Stunden

Das Jahr magischen Denkens“ von Joan Didion  ist das erste Buch, das ich von ihr gelesen habe. Es ist Ausdruck ihrer die Trauerarbeit nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes, für mich in mancher Hinsicht  nachvollziehbar, gleichzeitig literarisch faszi-nierend.

In „Blaue Stunden“ setzt sich Didion mit dem Tod ihrer Adoptivtochter auseinander, die kurze Zeit nach dem Tod ihres Vaters stirbt. Didion wählt für die Aufzeichnungen den Hochzeitstag ihrer Tochter am 26.Juli 2003 als Beginn. Immer wieder im Verlauf der „Blauen Stunden“ werden die weißen Pfauen vor der Kathedrale, die Stephanotis in den Haaren der Tochter, die hawaiianische Blumenkette, vor allem die roten Schuhsohlen und das Essen erwähnt, die Bestandteile der Hochzeit waren – vielleicht eher nebensächlich, aber auch Jahre danach noch erinnerbar.

Didion setzt sich in einer Art Rückschau mit den Gründen und Besonderheiten der Adoption auseinander, spricht ihre Schwierigkeiten im Umgang mit der Tochter an, geht auf die Tatsache ein, dass sie sie adoptiert, gleichzeitig aber weitergearbeitet hat, als habe es keine Veränderung gegeben. Der Leser erfährt viele, viele Details aus dem Leben Didions; das Leben der Tochter bleibt seltsam ungenau, so als hätte Didion ihre Tochter, um die sie trauert, nicht wirklich gut gekannt.

„Blaue Stunde“ ist eher eine Auseinandersetzungen mit der Frage, wie es mit der Autorin angesichts ihres Alters, ihrer körperlichen Schwäche weitergeht, wenn sie trotz einer Anzahl von 13 Telefonen keins erreichen kann, als sie blutüber-strömt am Boden liegend aus einer Ohnmacht aufwacht. Die Passagen, in denen es wirklich um das Verhältnis zu ihrer verstorbenen Tochter geht, sind sehr zurückhaltend:

„Die Anst kommt nicht vom Verlorenen.
Das Verlorene ist bereits in der Wand. (des Krematoriums) …
Die Angst kommt von dem, was noch verlorengehen kann. “
Und das ist ihr eigenes Leben.

Mir hat dieser Band nicht so gut gefallen wie „Das Jahr magischen Denkens“. Die vielen Wiederholungen – von Porzellanmarken, diversen Geschäften, wo sie gekauft hat, von Kleidermarken, die sie getragen oder bevorzugt hat, die vielen Filmtitelangaben – finde ich nervtötend und langweilig, obschon Wieder-holungen von was auch immer typisch für Trauernde sind. Sorry: Ich frage mich bei dieser Anzahl von Markenartikelbezeichnungen immer: sponsored by?

Joan Didion, Blaue Stunden, a.d. Amerikanischen v. Antje Rávic Strubel, Berlin 2012, 208 S., ISBN 978-3-550-08886-5

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