Nina Dobrot/Sarah Knausenberger, Wenn ich Flügel hätte mit Collagen von Corinna Chaumeny und Elke Ehninger

Nina Dobrot/Sarah Knausenberger, Wenn ich Flügel hätte mit Collagen von Corinna Chaumeny und Elke Ehninger

Ja, was wäre, wenn ich Flügel hätte? Wer hat sich diese Frage – zumindest als Kind – nicht auch schon mal gestellt und ist ins Sinnieren, ins Träumen geraten?

Dieses von Mara Burmester gestaltete Buch aus dem Kunstanst!fter Verlag ist eine Sammlung lyrischer Texte und Kurzprosa von Nina Dobrot und Sarah Knausenberger, ergänzt aus sehr eigen-willig und eigen-sinnig gestalteten Collagen von Corinna Chaumeny und Elke Ehninger, eingeteilt in die vier Kapitel:

Nest, Abflug, Turbulenzen und Landung als natürliche Abfolge von Stationen in fast jedem Leben. Eingeleitet werden die jeweiligen Kapitel durch illustrierte eher schwarz-weiß-graubeige gehaltenen Assoziationen zu den Kapitelüberschriften.

(© Elke Ehninger, kunstant!fter verlag)

Dann folgen jeweils mehr oder weniger kurze Texte, teils in handschriftlicher Form, teils scheinbar mit einer Schreibmaschine geschrieben, in die sich die Illustrationen einfügen, aus ihnen heraus“sprießen“, sie überlagern, Unterstreichungen, Kringel, Pfeile und Ausrufezeichen geben den Texten einen intimen, tagebuchartigen Charakter.

Doppeldeutige Titel machen Texte zum Teil noch interessanter, vieldeutiger: „Aus dem Nest geflogen“ – natürlicher Vorgang flügge gewordener Nestbewohner oder elterlicher „Rausschmiss“?

(© Corinna Chaumeny, Kunstanst!fter Verlag)

Da sitzen sie zusammen um den Tisch,
spielen weiter Familie
die Haustür
verschlossen.
Ich habe keinen Schlüssel,
aber die, die das Spiel mitspielen,
über Los gehen,
keine Fragen stellen
und auf den Böden keine Spuren hinterlassen,
die gehören dazu.

Ich habe beschlossen,
meine Flügel auszubreiten,
herrlich bunt sind sie …
Und das Fliegen! Eine Wohltat!

Der Morgen fühlt sich schal an,
hinter den Augen laufen Tränen ins Herz
und die Farben schmecken bis zum Mittag anders.
Empfindlich bin ich,
bis ich es irgendwann schaffe,
die Nacht und die Träume abzuschütteln,
indem ich meine Flügel in die Morgensonne halte,
sie ausbreite
und losfliege.


(Nina Dobrot)

Die Macherinnen – alle als diverse Vögel in den biografischen Angaben dargestellt – erzählen, dass Autorinnen und Illustratorinnen, die in der Regel „an getrennten Schreibtischen“ arbeiten in einen Dialog getreten sind und das über ein Jahr lang:

„Rund um das Thema Wenn ich Flügel hätte, hat mal die Collage, mal der Text das Gespräch angestoßen. Die künstlerische Antwort darauf war immer überraschend. Mal wurde rebellisch assoziiert, mal wurde in das Lied eingestimmt.
Ei lebendiger, bereichernder Prozess, der unsere Kreativität beflügelt und völlig neue Räume eröffnet hat.“

Und an diesen neuen Räumen können LeserInnen auf ganz individuelle Lesart teilhaben, chronologisch, nur die Bilder betrachtend oder das, mit dem man gerade in Resonanz geht, egal, ob nun der Text oder die Collage Auslöser ist.

Ein zauberhaftes Buch, das einen in die Realität der Träume, in die Welt der geflügelten Worte – mit und ohne Federn – führen kann, gespickt mit Realitätsanknüpfungspunkten. Ein Buch zum Träumen und Nachdenken, in Leichtigkeit und mit einem Lächeln auf den Lippen. Geeignet zu jeder Jahreszeit, in der eher dunklen winterlichen Zeit ein vielleicht er-hellendes Buch.

Wenn ich Flügel hätte, Lyrik und Kurzprosa von Nina Dobrot und Sarah Knausenberger, Collagen von Corinna Chaumeny und Elke Ehninger, Buchgestaltung v. Mara Burmester, Hardcover, Kunstanst!fter Verlag, Mannheim 2021, 128 S., ISBN 978-3-948743-06-2

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