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Kategorie: Rezensionen

Wiedergelesen: Albert Camus, Der Fremde

Wiedergelesen: Albert Camus, Der Fremde

„L‘ étranger“ habe ich vor Urzeiten im Französischunterricht gelesen, wiedergelesen dann lieber auf Deutsch. Eine beeindruckende Lektüre, damals wie heute. „Heute ist Mama gestorben. Vielleicht auch gestern, ich weiß nicht.“ Mersault, Büroangestellter in Algier, Ich-Erzähler und Sohn der Verstorbenen, fährt zu dem Heim, in dem seine Mutter vor ihrem Tod gelebt hat. Er hält Totenwache am geschlossenen Sarg, denn sehen will er seine Mutter nicht mehr. Am nächsten Tag reiht er sich in den kleinen Trauerzug ein, beerdigt seine Mutter – ohne eine Träne zu vergießen – nimmt den nächsten Bus zurück nach Algier und lebt sein Leben, als…

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Hanns-Josef Ortheil, Die große Liebe

Hanns-Josef Ortheil, Die große Liebe

„Plötzlich das Meer, ganz nah, eine graue, stille beinahe beruhigte Fläche.“ So beginnt einer der schönsten, ruhigsten Liebesromane, die ich bisher gelesen habe. „Plötzlich das Meer, ganz nah“  so beginnen auch die Aufzeichnungen des Ich-Erzählers, die er immer wieder in einem schwarzen Notizbuch schreibt. Er ist beruflich in Italien, um Drehorte für einen Film zu suchen. Während seiner Recherchen trifft er im Meeresmuseum Dottoressa Franca, die ihn durch die Ausstellung führt. Ihre Art sich zu bewegen, vor allem aber zu reden,…

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Bernd Riedel, Eine Insel auf Zeit

Bernd Riedel, Eine Insel auf Zeit

Einen Lyrikband mit Beipackzettel ist mir auch noch nicht untergekommen. Bernd Riedel beginnt seinen Lyrikband „für die Sinne“ mit einer Einleitung. In Form einer Gebrauchsanweisung oder eines Beipackzettels macht er den Leser darauf aufmerksam, wie das Rezept zum Lachen mit Hilfe des Lyrikbandes eingelöst werden könne und dass der Autor für mögliche „Wein- oder Lachkrämpfe“ nicht erschlagen werden solle. Der Leser müsse vor der „Medikamenteneinnahme“ das „Kleingedruckte auf der beigefügten, verschreibungpflichtigen Leseverordnung“ lesen und sich im Zweifelsfall an den „Arzt oder…

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Irvin D. Yalom, Und Nietzsche weinte

Irvin D. Yalom, Und Nietzsche weinte

Man muss lange warten bzw. lesen, bis Nietzsche endlich weint. Es ist ein weiter Weg bis dahin, viel Zeit zum Sinnieren, Verweilen, Nachdenken darüber, was das Gelesene mit einem selbst zu tun haben könnte. Dr. Breuer ist ein bekannter Wiener Arzt, der sich manchmal als eine Art „Rededoktor“ oder „Angstarzt“ vorkommt, immer dann, wenn die Symptome seiner Patienten offensichtlich keine organischen Ursachen haben. Lou Salomé, eine Bekannte Nietzsches, kann Dr. Breuer dazu überreden, Nietzsche zu behandeln, der unter unerträglichen Migräneattacken…

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Irvin D. Yalom, Die Schopenhauer-Kur

Irvin D. Yalom, Die Schopenhauer-Kur

Schopenhauer als Therapie gegen Sexsucht? Ob das gut gehen kann? Julius, ein angesehener Therapeut, erhält nach einem Routinecheck beim Arzt, den Hinweis, er möge sich doch bitte bei einem Dermatologen vorstellen, er habe ein etwas merkwürdig aussehendes Mal am Rücken. Die Diagnose lautet: Hautkrebs mit einer Lebenserwartung von noch etwa einem Jahr. Wie weiterleben?  Nach dem ersten Schock, versucht Julius eine Bilanz seines Lebens zu ziehen und fragt sich, was für ihn von Bedeutung gewesen ist. Seine Arbeit, die Möglichkeit anderen Menschen zu helfen, in, mit ihrem Leben besser klar zukommen,…

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Andreas Altmann, Das Scheißleben meines Vater, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend

Andreas Altmann, Das Scheißleben meines Vater, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend

Der Titel ist des Buches ist zutreffende Zusammenfassung des Inhalts. Andreas Altmann beschreibt das Leben seiner Familie, das man tatsächlich nur als ein Scheißleben bezeichnen kann, mit einer nach außen hin zunächst heilen Fassade: Sein gut aussehender Vater, Geschäftsmann einer florierenden Devotionalienhandlung in Altötting, genannt der Rosenkranzkönig, mit einer hübschen Frau und Kindern in einem eigenen Haus am Ort. Hinter der Fassade erleben die Beteiligten die Hölle auf Erden, einen despotischen Vater, der zunehmend brutaler gegenüber Frau und Kindern wird, der ohne Besinnung zuschlägt,…

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Ingrid Müller-Münch, Die geprügelte Generation

Ingrid Müller-Münch, Die geprügelte Generation

„Ein Klaps hat noch nie jemandem geschadet.“ Wer ist nicht schon einmal diesem blöden dummen Spruch begegnet? „Die Schläge tun mir mehr weh als dir, sie sind doch nur zu deinem Besten.“ Wer hat diesen Satz als Kind nicht mehrfach gehört? Ingrid Müller-Münch stellt in diesem Buch eine geprügelte Generation dar, für die Schläge so normal, so an der Tagesordnung waren, dass sie kaum darüber gesprochen hat. Prügel waren normaler Teil des (Kinder-) Alltags in den 50igern und 60igern des 20….

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Javier Marias, Die sterblich Verliebten

Javier Marias, Die sterblich Verliebten

Die Rezension in der ZEIT hat den Ausschlag gegeben, diesen Roman zu kaufen, bis-her ja nur als Hardcover zu haben. (Wollte ich ja eigentlich nicht mehr). Roter Um-schlag, rotes Lesebändchen, Aussicht auf eine spannende Handlung: Maria, Verlagsangestellte und Ich-Erzählerin dieses Romans, beobachtet in einem Cafe häufig Luisa und Miguel, ein gut aussehendes Ehepaar, das sich offensichtlich noch nach Jahren liebevoll zugetan und miteinander im Gespräch ist, bis Miguel – völlig unvorhersehbar – vor dem Cafe von einem Unbekannten mit zahlreichen Messerstichen tödlich verwundet wird. Maria kondoliert Luisa und wird…

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Peter Bichsel, Das ist schnell gesagt

Peter Bichsel, Das ist schnell gesagt

Von Peter Bichsel, dem „Meister der kurzen Sätze“ wie er manchmal genannt wird, gibt es jetzt das kleine schmale Büchlein „Das ist schnell gesagt“ mit Lesebändchen (!) . Beat Mazenauer und Severin Perring haben es herausgegeben. Es enthält manchmal nur einen Satz oder kürzere Absätze aus Bichsels Veröffentlichungen, subsumiert unter Begriffen wie „Erzählen und Schweigen“ oder „Unter Freunden“. Sprachperlen, einzeln oder aneinandergereiht, provozieren beim Leser unterschiedlichste Reaktionen: „Mit wem soll ich jetzt schweigen?“ „Er habe seine eigene Meinung über Korea, sagt jemand,…

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Petra Chlosta, Gräber und andere Gartenarbeiten

Petra Chlosta, Gräber und andere Gartenarbeiten

Sie mögen Quasselstrippen mit einem Hang zu Überreaktionen, die nichts oder selten etwas auf den Punkt bringen, des öfteren den Faden verlieren, was zu zahlreichen Wiederholungen führt, die viel reden, aber wenig zu erzählen haben und das seitenlang breitwalzen? Dann ist die Kriminalkomödie „Gräber und andere Gartenarbeiten“ etwas für Sie. Sie werden von Tina – früher Journalistin – heute mit Rechtsanwalt Stefan verheiratet, die sich bei der Hausarbeit selbst verwirklicht (soll ironisch gemeint sein), immer wieder angesprochen – wohl weil Tina offensichtlich…

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