Friedrich Ani, Wer tötet, handelt

Auch in diesem Krimi deutet der Prolog das ganze menschliche Ausmaß einer Tragödie an, deren Opfer Silvia Klages gewesen ist und erneut sein wird:
“In jener Nacht im Haus am See war sie nackt gewesen. Danach nur noch beim Duschen oder Baden zu Hause.
Zwei Jahre später bat sie Roland zum ersten Mal wieder, zu ihr ins Bett zu kommen und sehr behutsam zu sein.
Die Nacht war schwül, und ein Fenster stand offen.
Es klirrte nicht, als der Mann einstieg.”

Der durch einen Unfall blind gewordene Kommissar Vogel ist wie vorher, nur eben blind. ” … ich akzeptiere die Wendung in meinem Leben und ich verhalte mich danach.” Mit dieser Haltung stößt Vogel in seiner Umgebung  zumindest auf Unverständnis, wenn nicht gar auf Wut, auf Gefühle der Ohnmacht. Seine Frau gerät dadurch für sich in einen Alptraum, aus dem sie kaum herauskommt, da sie Vogel dafür verantwortlich macht.
Kommissar Vogel verfügt  über Wahrnehmungsfähigkeiten, die ihm schon vor dem Unfall den Spitznamen der “Seher” eingebracht haben: Er hört, wenn Zeugen, Verdächtige lügen oder Wichtiges verschweigen.
Diese Fähigkeiten will er auch weiterhin in den Polizeidienst stellen. Doch davon will keiner etwas wissen. Er wird pensioniert.
Auf dem Nachhauseweg stolpert Vogel mitten in der Nacht beinahe über Roland Horn, den am Boden liegenden Freund Silvia Klages, der sich nach einem Überfall schwerverletzt aus der Wohnung gerettet hat. Vogel kennt die Frau und den Täter aus früheren Ermittlungen und erzwingt gegen den Willen aller einen Geiseltausch, indem er einfach in die Wohnung Silvia Klages geht.
In Gesprächen mit dem Täter entwickelt sich das Porträit eines Mörders und dessen lang zurückliegende Motive für diesen Überfall. Man hat als Leser die Möglichkeit zu verstehen, ohne dabei die Taten rechtfertigen zu müssen. Gleichzeitig werden Erziehungsmethoden ähnlich der fünfziger Jahre entlarvt, die Anpassung um nahzu jeden Preis forderten, und die Konsequenzen für diejenigen, die sich nicht anpassten.
Wieder ein in jeder Hinsicht spannender, anspruchsvoller Krimi.

Friedrich Ani, Wer tötet handelt, Kriminalroman, München 2008, 172 S. , ISBN 978-3-423-21061-4

Datum: 4. Dezember 2009
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2 Kommentare

  1. 1

    […] sich fast von selbst – zum Entsetzen seiner Mitmenschen, gut für Ani-Fans, die den Folgeroman “Wer tötet, handelt” lesen […]

  2. 2

    […] ist der dritte, druckfrisch als TB erschienene Roman nach “Wer lebt, stirbt” und “Wer tötet, handelt” mit dem erblindeten ehemaligen Kommissar Jonas […]

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