Haben wollen

Ich schreite dahin.
Vor mir ist Schönheit.
Hinter mir ist Schönheit.
Über mir ist Schönheit.
Ringsum ist Schönheit.
Meine Worte werden voll Schönheit sein.
Ich werde ewig leben in Schönheit.
Der Schönheit des Alls.
(Indianische Weisheit)
Über Schönheit haben sich schon viele Menschen Gedanken gemacht und darüber geschrieben, u.a. Gabriele von Arnim in „Der Trost der Schönheit“. Mir ist dadurch bewusst geworden, welchen Stellenwert „Schönheit“ für mich hat, auch wenn meine Empfindung von Schönheit oft gängigen Schönheitsbegriffen und oder Vorstellungen nicht entsprach, etwa wie ich mich gekleidet, mich als Studentin eingerichtet habe – ich habe zum Beispiel Muttern von Bahngleisen zu Kerzenständern umfunktioniert. Einfache Haushaltskerzen passten haargenau in diese Muttern. Es war vielleicht aus der finanziellen Not geboren, dennoch war es keine Notlösung.
Der Film „Etty“, der in der ARTE Mediathek zu sehen ist, hat mich daran erinnert, dass ich ihre Tagebücher „Das denkende Herz in der Baracke“ im Regal stehen habe. Dort schreibe sie relativ am Anfang, wie sie unter der Schönheit und ihrem Bedürfnis zu schreiben, gelitten habe, sich das ab er nicht erklären konnte.
„Doch neulich an dem Abend reagierte ich anders. … Ich genoß die geheimnisvolle, stille Landschaft in der Dämmerung zwar intensiv, aber sozusagen sachlicher. Ich wollte sie nicht mehr „haben“. Und gestärkt ging ich nach Hause und an die Arbeit. … Dieses Habenwollen … ist plötzlich von mir abgefallen. Tausende beengende Fesseln sind zerrissen, und ich atme befreit, ich fühle mich stark und schaue mich mit strahlenden Augen um. Und jetzt da, ich nichts mehr besitzen will und frei b in, jetzt besitze ich alles, jetzt it mein innerer Reichtum unermeßlich.“ (aus: Das denkende Herz der Baracke, die Tagebücher von Etty Hillesum 1941-1943, Freiburg/Heidelberg 1981, S. 24f.)
6 Gedanken zu „Haben wollen“
Das Zitat ist wunderbar und deckt sich mit meiner Einstellung zur Schönheit – vor allem der Schönheit der Natur. Nicht haben wollen, sondern sich erfreuen an der Vollkommenheit mancher Augenblicke, das ist es.
Ob dem die Fotografie (mit der wir ja doch einen gewissen Besitz anstreben) widerspricht, weiss ich nicht so genau.
Aber zur Auffrischung der jeweiligen Sichtweise (wie in deinem schönen, zarten Bild mit den Bäumen am Horizont) hilft sie ganz gewiss.
Einen lieben Gruss, Brigitte
Ja, Fotografieren ist sicher auch eine Form von „Haben“, „Festhalten“-Wollen.
Machen da vielleicht die Motive zu fotografieren einen Unterschied, ob ich mit ihnen angeben, oder sonst etwas erreichen möchte oder ob ich andere zum Betrachten von Schönheit, zum stillen Innehalten animieren möchte … ?
Darüber habe ich auch noch nicht wirklich nachgedacht.
Herzliche Grüße
zitat und deine überlegungen sind sehr anregend, manche überlegungen habe ich auch schon und ganz ähnlich angestellt!
hab dank dafür!
foto (wie immer): ein kleines mona-lisa-kunstwerk!
liebe grüße, andrea
Und bis du für dich zu einem Ergebnis gekommen?
Es ist schön mitzubekommen, dass Menschen meine Art der Fotografie mögen,
mercie und herzliche Abendgrüße.
Fixe Ergebnisse, nein, eher eine Art Gedankengebilde in der Art eines Mycels. ;))) Lässt sich nicht auf die Schnelle in wenigen Worten sagen.
Dein Post ist für mich ein ganz besonderer,
die indianische Weisheit, Deine Gedanken, die Stelle aus Ettys Gedankenschatz, wie auch Dein Bild.
Ich bekam einst das Buch – „Das denkende Herz“ – als Geschenk. Ich habe es gelesen und dann weitergeschenkt. Bestimmt würde ich es gerne noch einmal lesen …
Fotografieren ist für mich nicht nur eine Art, mich erinnern zu wollen, sondern auch, meiner Freude über den Reichtum der Natur Ausdruck zu verleihen. Oft habe ich darüber nachgedacht, ob es auch ein Festhalten ist.
Ich kann es nicht eindeutig verneinen. Allerdings möchte ich auch Erinnerungen, die durch das Betrachten in Gang gesetzt werden, nicht missen.
Das Haben-Wollen und mein Scheitern am Haben ist in meinem Sein ein paar Mal mit starken Botschaften des Lebens einhergegangen.
Herzliche Grüße, C Stern