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Kategorie: Gedichte

Der Einsiedler

Der Einsiedler

Komm, Trost der Welt, du stille Nacht!Wie steigst Du von den Bergen sacht,Die Lüfte alle schlafen, Ein Schiffer nur noch, wandermüd,Singt übers Meer sein AbendliedZu Gottes Lob im Hafen. Die Jahre wie die Wolken gehnUnd lassen mich hier einsam stehn,Die Welt hat mich vergessen,Da tratst Du wunderbar zu mir,Wenn ich beim Waldesrauschen hierGedankenvoll gesessen. O Trost der Welt, Du stille Nacht!Der Tag hat mich so müd gemacht,Das weite Meer schon dunkelt,Lass ausruhn mich von Lust und Not,Bis dass das ew’ge MorgenrotDen…

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Einsamkeit

Einsamkeit

Wer sich der Einsamkeit ergibt,Ach der ist bald allein;Ein jeder lebt, ein jeder liebtUnd läßt ihn seiner Pein. Wer sich dem Weltgewühl ergibt,Der ist zwar nie allein.Doch was er lebt und was er liebt,Es wird wohl nimmer sein. Nur wer der Muse hin sich gibt,Der weilet gern allein,Er ahnt, daß sie ihn wieder liebt,Von ihm geliebt will sein. … (Bettina von Arnim, die ersten vier Strophen des Gedichtes)

1. November

1. November

Da draußen ist frühe Nebelnacht,Die hat den Tag um Stunden bestohlen,Hat aus den Fenstern Laternen gemacht.Ich möchte mir den Mond herholen,Daß ich einen hätt‘, der ewig lacht,Denn die Nacht ist wie ein schwarzes Bett.Dort hat der Tod, wie auf Lagern aus Kohlen,Gedankenlos als Dieb seine Ruhestätt‘.Weiß nicht, ist die Stadt draußen klein oder groß,Ob Menschen drin hausen, oder bin ich allein,Denn ein jeder Tag schwarz wie der Fluß fortfloß,Und beklagt gingen viele zur Nacht hinein.Auch Vater und Mutter haben gefragt,Und…

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31. Oktober

31. Oktober

Der Türmer, der schaut zu mitten der NachtHinab auf die Gräber in Lage;Der Mond, der hat alles ins Helle gebracht:Der Kirchhof, er liegt wie am Tage.Da regt sich ein Grab und ein anderes dann:Sie kommen hervor, ein Weib da, ein Mann,in weißen und schleppenden Hemden. … (1. Strophe der Ballade „Der Totentanz“ v. Johann Wolfgang v. Goethe)

Am Weiher

Am Weiher

An jenes Waldes Enden,Wo still der Weiher liegtUnd längs den FichtenwändenSich lind Gemurmel wiegt; Wo in der Sonnenhelle,So matt und kalt sie ist,Doch immerfort die WelleDas Ufer flimmernd küßt: Da weiß ich, schön zum Malen,Noch eine schmale Schlucht,Wo all die kleinen StrahlenSich fangen in der Bucht; Ein trocken, windstill Eckchen,Und so an Grüne reich,Daß auf dem ganzen FleckchenMich kränkt kein dürrer Zweig. Will ich den Mantel dichteNun legen übers Moos,Mich lehnen an die Fichte,Und dann auf meinen Schoß Gezweig‘ und Kräuter breiten,So gut…

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Herbstschweigen

Herbstschweigen

Wieder bin ich allein im dämmernden Garten gegangen,Tiefer schweiften die Krähen, der Wald war von Wolken verhangen. Mitten aus den verfinsterten Fichten erhoben sich rote,braune, blassgelbe Blätterwipfel und standen wie Tote. Und es war in der Welt eine Stille, die traurig verharrte,dass mir das Herz in der Brust vor so viel Schweigen erstarrte. (Richard von Schaukal)

Der Herbst des Einsamen

Der Herbst des Einsamen

Der dunkle Herbst kehrt ein voll Frucht und Fülle,Vergilbter Glanz von schönen Sommertagen.Ein reines Blau tritt aus verfallener Hülle;Der Flug der Vögel tönt von alten Sagen.Gekeltert ist der Wein, die milde StilleErfüllt von leiser Antwort dunkler Fragen. Und hier und dort ein Kreuz auf ödem Hügel;Im roten Wald verliert sich eine Herde.Die Wolke wandert übern Weiherspiegel;Es ruht des Landmanns ruhige Geberde.Sehr leise rührt des Abends blauer FlügelEin Dach von dürrem Stroh, die schwarze Erde. Bald nisten Sterne in des Müden…

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Flüchtig

Flüchtig

Ach wie flüchtig, ach wie nichtig ist der Menschen Leben! Wie ein Nebel bald entstehet und auch wieder bald vergehet, so ist unser Leben, sehet! (Michael Franck, 1. der insgesamt 13 Strophen des Kirchenliedes: Ach wie flüchtig, ach wie nichtig)

Hoffnung

Hoffnung

Es reden und träumen die Menschen vielvon bessern künftigen Tagen;nach einem glücklichen, goldenen Zielsieht man sie rennen und jagen.Die Welt wird alt und wird wieder jung,doch der Mensch hofft immer Verbesserung. Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein,sie umflattert den fröhlichen Knaben,den Jüngling locket ihr Zauberschein,sie wird mit dem Greis nicht begraben;denn beschließt er im Grabe den müden Lauf,noch am Grabe pflanzt er – die Hoffnung auf. Es ist kein leerer, schmeichelnder Wahn,erzeugt im Gehirne des Toren,im Herzen kündet es…

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