Beginne jetzt
„In dem Augenblick, in dem man sich endgültig einer Aufgabe verschreibt, bewegt sich die Vorsehung auch. Alle möglichen Dinge, die sonst nie geschehen wären, geschehen, um einem zu helfen. Ein ganzer Strom von Ereignissen wird in Gang gesetzt durch die Entscheidung, und er sorgt zu den eigenen Gunsten für zahlreiche unvorhergesehene Zufälle, Begegnungen und materielle Hilfen, die sich kein Mensch vorher je so erträumt haben könnte. Was immer Du kannst, beginne es. Kühnheit trägt Genius, Macht und Magie. Beginne jetzt.“…
Iwan Turgenjew, Das Adelsgut
„Das Adelsgut“ liegt in einer Neuübersetzung im Manesse Verlag vor, im typischen Kleinformat, fein gestaltet mit Lesebändchen und farbig abgestimmter Bindung, die ab und zu zwischen den Seiten „aufblitzt“. Ich liebe diese kleinformatigen Romanausgaben, passen sie doch in jede Handtasche. Fjodor Lawrezki kehrt nach Jahren im Ausland in seine russische Heimat zurück – ohne seine Ehefrau und ihr gemeinsames Kind. Er will das Gut seiner Eltern übernehmen, bewirtschaften und – vom Leben enttäuscht – zurückgezogen leben. Über das, was er…
Wo ist Omas Rezept geblieben?
Es ist über zwanzig Jahre her, dass die Oma meiner Kinder für alle diese Stollen gebacken hat. Nun habe ich nach dem Rezept geforscht und – zum ersten Mal in meinem Leben – selbst Stollen backen. In meiner Ursprungs-Familie gibt es nämlich keine Stollentradition. Nun bin ich sehr gespannt, ob der aktuelle Stollen den Erinnerungsstollen „gewachsen“ ist.
Dietrich Bonhoeffer, Behütet und getröstet
Gedacht ist dieses Büchlein von nur 41 Seiten, gestaltet als Doppelseite mit Gedanken Bonhoeffers und einer dazu passenden Illustration, als Trostbuch, „weil ein Mensch, mit dem Sie in Liebe verbunden sind, gestorben ist.“ Geschrieben hat Bonhoeffer diese Texte „voller Stärke und Zuversicht“ im Gefängnis, in einer Zeit, in der für ihn wenig Hoffnung bestand, je wieder aus dem Gefängnis entlassen zu werden. An Bonhoeffer wurde am 9. April 1945 das Todesurteil vollstreckt, wie dem Anhang zu entnehmen ist. Optimismus ist…
Wort des Tages
autofreie Sonntage
Rainer Moritz, Mein Vater, die Dinge und der Tod
Rainer Moritz, Leiter des Literaturhauses Hamburg, erinnert sich anhand von Gegenständen, die er mit seinem Vater in Verbindung bringt, nach dessen Tod an das Leben mit ihm als Vater. Den Ausführungen, die er seiner Mutter gewidmet hat, stellt er folgendes Zitat von Gerhard Meier voran: „So hat man über die Dinge immer auch Kontakt mit dem Dahingegangenen.“ Moritz beginnt seine Erinnerungen mit dem Anruf seiner Mutter: „Rainer, Vati ist gestorben … Hat meine Mutter das so gesagt? Vermutlich, ein Ausdruck…
Erling Kagge, Gehen. Weiter gehen
In „Stille“ stand eher die Suche nach Stille im Lauten im Vordergrund als das Gehen selbst. In dem gerade erschienenen Band bietet Kagge dem Leser eine sehr persönlich gehaltene, mit vielen eigenen Erfahrungen und Erlebnissen gespickte „Anleitung“ zum Gehen an. Seine Ausführungen beginnen mit seiner Großmutter: „Eines Tages konnte meine Großmutter nicht mehr gehen. An diesem Tag starb sie. Physisch lebte sie noch eine Weile, doch die neuen Knie, die man ihr anstelle der alten eingesetzt hatte, waren abgenutzt und…
Shozo Kajima, Motomenai – Ohne Verlangen
Es ist nur ein kleines Büchlein. Zunächst ein wenig irritierend, denn die Einführung steht hinten im Buch und ist so zu lesen, dass man nicht – wie gewohnt – von rechts nach links umblättern kann, sondern von links nach rechts. Der Buchhändler hat mir versichert, das habe seine Richtigkeit, in Japan würden Bücher so gedruckt. Ok, also anders herum, nach einiger Zeit haben meine Synapsen mitgemacht. Dennoch ein ungewohntes Gefühl. Auf fast allen Seiten steht oft nur ein Satz, der…
Karen Duve, Fräulein Nettes kurzer Sommer
Der Titel ist eher irreführend, zumindest für mich. Ich bin mit der Erwartung an den Roman herangegangen, etwas über „Nettes kurzen Sommer“ zu erfahren, in dem sie als Person im Mittelpunkt steht. Der Roman umfasst allerdings einen Zeitraum von 1817-1821, immerhin vier Jahre, also nicht nur einen Sommer. Der Roman beginnt mit Anmerkungen der Autorin über ihre Quellen und ihren Umgang damit und weist den Leser einerseits auf die historische Bezogenheit des Romans hin und andererseits auf die Notwendigkeit und…