Warten
Im Garten hat das Frühjahr bereits begonnen: Christrosen, Krokusse blühen Hyazinthen-, Tulpenblätterspitzen lugen ein wenig aus der Erde Rosen, Hortensien schlagen aus Vögel sind lautstark zwitschernd auf der Suche nach Nistmöglichkeiten Frühlingsblumen werden gekauft Die Menschen lächeln wieder mehr Die Eissaison ist eröffnet Und ich warte noch auf die Rückkehr der Zugvögel, deren Route sie hoffentlich auch dieses Jahr wieder über mein Haus führt. (© mona lisa)
Anna Qindlen, Ein Jahr auf dem Land
Die Fotografin Rebecca Winter hat Geldsorgen. Lange hatte sie von den Einnahmen eines ihrer Fotos leben können. Doch sie hat den Zenit ihrer Karriere als Fotografin offensichtlich überschritten. Ihr Name ist nicht mehr in aller Munde. Sie mietet sich in einem kleinen, preiswerten Haus auf dem Lande ein, um ihr teures Appartement in New York zu vermieten, von der Differenz zu leben und noch ihre alten Eltern zu unterstützen. Täglich überprüft sie sorgenvoll ihr Konto, unternimmt Wanderungen – die Kamera…
Milan Kundera, Das Fest der Bedeutungslosigkeit
Das Lesen des Romans zaubert einem ein Lächeln ins Gesicht. Er kommt mit einer Leichtigkeit, mit Humor, feiner Ironie, Wortspielen und Neologismen daher, die einen durch den Roman tragen, unterhalten und gute Laune machen. Vier in Paris lebende, ältere Männer – Alain, Ramon, Charles und Caliban – sind allesamt auf der Suche nach guter Laune, nach Aufmerksamkeit und der Frage, worin eigentlich (noch) ihre Bedeutung liegen könne. So unterschiedlich sie sind, eint sie doch die Frage, wie, wo sie fündig…
Julian Barnes, Lebensstufen
„Man bringt zwei Dinge zusammen, die vorher nicht zusammengebracht wurden, und die Welt hat sich verändert. Vielleicht merken die Menschen es nicht gleich, aber das ist egal. Die Welt hat sich trotzdem verändert.“ Die Kapitelüberschriften verweisen auf die drei Dimensionen, in denen Dinge zusammengebracht werden können, die vorher nicht zusammen waren: „Die Sünde der Höhe“, „Auf ebenen Bahnen“ und „Der Verlust der Tiefe“. Es geht vordergründig zunächst ums Ballonfahren und die ersten Luftaufnahmen sowie um Roziers ersten gescheiterten Versuch, mit…
Sabine Lenz, Die Fähigkeit zu sterben
In „Geschichten vom Sterben“ erzählt Petra Anwar, unterstützt von John von Düffel von ihrer Arbeit als Palliativmedizinerin. Sabine Lenz schreibt über ihre Arbeit mit Krebskranken aus der Sicht einer Psychoonkologin, die meist bei ihr Hilfe suchen „gegen dieses Meer aus Angst, das sie hinaus und in die Tiefe zöge, wenn nicht Strände, Dünen und Wälle, soweit das Auge reicht, davor lagern würden.“ Es ist ein Kampf gegen „eine Todeslandschaft ohne jede Erhebung, nichts woran sich das Lebendige festmachen kann.“ Sie…
Baden zur Entspannung!?
„Baden ist die einzige Möglichkeit, sich den Dreck von den Füßen an den Hals zu hängen.“ Spricht mir aus der Seele, vor allem, wenn ich ans Baden in der Kindheit denke, an die „Schmandränder“ in der nur mit ein wenig Wasser gefüllten Badewanne. Wie sollte man da sauber werden können? Und da wollte die Hebamme mich bei der Geburt des dritten Kindes in die Badewanne stecken: zur Entspannung!! Ich habe mich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt und ihr gesagt,…
Julia Jessen, Alles wird hell
„Alles wird hell“ ist ein gelungener Debütroman! Ich habe schon lange keinen Roman mehr gelesen, der mich so fasziniert und gefesselt hat, trotz seiner Schlichtheit in Handlung und Sprache. Er verbindet Einfachheit mit Tiefgang. Und wie tief ich mich einlasse, das entscheide ich als Leser selbst, da mir nichts aufgezwungen wird. In fünf Kapiteln – fünf Lebensstationen und Zeitaltern entsprechend – erzählt Oda ihr Leben und das ihrer Familie, in die sie eingebunden ist, wenn auch als Grenzgängerin, die manchmal…
Notiz nehmen!!
Daphne du Maurier, Ein Tropfen Zeit
„Ein Tropfen Zeit“ ist bereits 1969 erschienen, jetzt aber von der Edition Büchergilde in einer besonders schönen Ausgabe mit Gemälden von Kristina Andres neu aufgelegt. Ein bebilderter Roman? Natürlich schaut man sich zuerst die Bilder an: © „Kristina Andres/Edition Büchergilde“ Ölgemälde im Original – viele Stilleben ähnlich – die zunächst nicht sehr aussagekräftig zu sein scheinen. Beginnt man aber mit der Lektüre des Romans, bemerkt man, dass die Gemälde wesentliche Aspekte der Handlung in dem entsprechenden Kapitel gekonnt sichtbar machen,…