Thommie Bayer, Sieben Tage Sommer

Thommie Bayer, Sieben Tage Sommer

Wir haben ja nun schon mehr als sieben Tage Sommer mit großer Hitze. Da verlangt es vielleicht nach einer leichten Sommerlektüre, die beim Lesen keine großen Anstrengung erfordert, aber unterhaltsam ist. Da ist „Sieben Tage Sommer“ sicher das Richtige.

Der sommerleichte Roman ist ein moderner Briefroman – also ein Austausch per Mail – zwischen Anja, einer jungen Architektin, und dem wohlhabenden siebzigjährigen, menschenscheuen Max Torberg, zwischen denen eine innige Freundschaft besteht.

Max Torberg hat Anja gebeten, in seinem Haus in Südfrankreich fünf Gäste zu empfangen, zu bewirten und für deren Wohl zu sorgen. Dafür soll sie ihm ihre Eindrücke über diese fünf Gäste schildern, ihm berichten, was sie tun, wie sie sich verhalten, kurzum ihm alles mitteilen, was ihr auffällt. Geplant ist, dass Max Torberg erst am Ende der Woche selbst erscheint. Das macht Anja in ihrer subjektiven Art: humorvoll, mitfühlend und sprachlich auch um angemessenen unterhaltsamen Ausdruck bedacht:

„Lieber Max,
mich umgibt der Duft von Oleander und Jasmin, und die Anspannung von der langen Autofahrt lässt langsam nach. Seit einer halben Stunde bin ich jetzt hier, sitze auf der Terrasse links vom Haus und schreibe dir, weil ich so überwältigt bin, dass ich es unbedingt jemandem mitteilen muss.

Wenn dir mein Geschwärme und Geschwafel auf die Nerven geht, musst du es sagen, dann versuche ich nüchtern und ohne Fransen zu schreiben, aber mir macht es Spaß, und wenn du damit leben kannst, gebe ich Gas.“

Nach und nach erfährt man als Leser:in Genaueres über den Beginn der Freundschaft zwischen Max und Anja, Max Verhältnis zu den fünf so unterschiedlichen Gästen, die ihm vor Jahren das Leben gerettet oder zumindest eine Entführung verhindert haben und auf welche Art und Weise er seine Dankbarkeit ihnen gegenüber zum Ausdruck gebracht hat uns sich auch in Zukunft erkenntlich zeigen will.

Der Roman nimmt eine Art „Schlüssellochperspektive“ ein. Man liest, wer wo, warum schläft, von den ausgedehnten Mahlzeiten, erfährt wer welche Weine trinkt, wer den Champagner bevorzugt, erkennt das Entstehen einer Art Gruppendynamik, so als säße man über eine längere Zeit in einem noblen Hotel und beobachte die Gäste. Für mich ist das auf Dauer eher langweilig, auch wenn der Roman dann so die ein oder andere kleine Spannungseinlage aufzuweisen hat, und lange vieles im Unklaren bleibt, was einen zum Weiterlesen animieren soll.

Thommie Bayer, Sieben Tage Sommer, Roman, München 2022, 152 S., ISBN 978-3-492-07044-7

7 Gedanken zu „Thommie Bayer, Sieben Tage Sommer

  1. Danke für deinen spannend geschilderten Leseeindruck.
    Man hat das Gefühl, den Briefroman selber gelesen zu haben. Und weiss, gestützt auf deine Beurteilung, dass man dieses Buch nicht unbedingt kaufen muss. :–)
    Dir einen schönen Tag und herzlichen Gruss,
    Brigitte

    1. Aus meiner Sicht nicht wirklich.
      Doch die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden und nicht jede(r) bevorzugt „schwere Kost“, sondern eher die „Leichtigkeit des Seins“ ;)
      Herzliche Grüße

  2. Auch ich habe mit Interesse Deine Gedanken zum Buch gelesen.
    Ich selbst lese derzeit mehr (Auto-)Biografisches. Ganz und gar nicht immer Leichtes, das ich lese.
    In unterschiedliche Briefromane habe ich das eine oder andere Mal schon Einblick genommen, bislang vermochte mich noch keiner zu fesseln. Aber das kann sich ja noch ändern!
    Ganz liebe Grüße!

      1. Unterschiedlich – von Menschen, die nicht in der (breiten) Öffentlichkeit bekannt sind,
        von Künstler*innen, da kann’s auch mal ein biografischer Roman sein, der allerdings schon hohen Wahrheitsgehalt aufweisen sollte.
        Manchmal auch von Politiker*innen und jedenfalls sehe ich mich auch in Biografien von jenen um, die als Schwerstverbrecher viel Unheil über die Menschen gebracht haben, z.B. Herrschaften, die den 2. Weltkrieg deutlich bestimmt haben. Auch, wie Frauen solcher Männer tickten, finde ich interessant. Hier dringt mein tiefes psychologisches Interesse durch.

        In Erinnerung ist mir noch sehr „Die Rose des kleinen Prinzen“, wo nach Consuelo de Saint-Exupery’s Erinnerungen die stürmische und oft auch sehr schmerzvolle Beziehung zu ihrem Mann aufgezeichnet ist. Da gab es für mich sehr große Überraschungen!
        Liebe Grüße!

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