Weiter sehen

Weiter sehen

Wäre es möglich, weiter zu sehen, als unser Wissen reicht, vielleicht würden wir dann unsere Traurigkeiten mit größerem Vertrauen ertragen, als unsere Freuden. Denn sie sind die Augenblicke, da etwas Neues in uns eingetreten ist, etwas Unbekanntes.Unsere Gefühle verstummen in scheuer Befangenheit, alles in uns tritt zurück, es entsteht eine Stille, und das Neue, das niemand kennt, steht mitten darin und schweigt. (Rainer Maria Rilke)

Licht ist Liebe

Licht ist Liebe

Licht ist Liebe … Sonnen-Weben Liebes-Strahlung einer Welt schöpferischer Wesenheiten – die durch unerhörte Zeiten uns an ihrem Herzen hält, und die uns zuletzt gegeben … (Christian Morgenstern)

Sonne

Sonne

Bleibe nicht am Boden heften, Frisch gewagt und frisch hinaus! Kopf und Arm mit heitern Kräften, Überall sind sie zu Haus; Wo wir uns der Sonne freuen, Sind wir jede Sorge los. Daß wir uns in ihr zerstreuen, Darum ist die Welt so groß. (Johann Wolfgang von Goethe)

Lied der Freundin

Lied der Freundin

Zarter Blumen leicht Gewinde Bring ich dir zum Angebinde; Unvergängliches zu bieten, war mir leider nicht beschieden. In den leichten Blumenranken lauschen liebende Gedanken, die in leisen Tönen klingen und dir fromme Wünsche bringen. Und so bringt vom fernen Orte Dieses Blatt dir Blumenworte; Mögen sie vor deinen Blicken Sich mit frischen Farben schmücken. (Marianne von Willemer

Sonnenaufgang

Sonnenaufgang

Verschwunden ist die finstre Nacht, Die Lerche schlägt, der Tag erwacht, Die Sonne kommt mit Prangen Am Himmel aufgegangen. Sie scheint in Königs Prunkgemach, Sie scheinet durch des Bettlers Dach, Und was in Nacht verborgen war, Das macht sie kund und offenbar. …Wohl mancher schloss die Augen schwer öffnet sie dem Licht nicht mehr; Drum freue sich, wer, neu belebt, Den frischen Blick zur Sonn’ erhebt! (Friedrich Schiller, Quelle: Shakespeare, Macbeth, Erstdruck 1623, hier übersetzt von Friedrich Schiller 1800. 2….

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Schneeglöckchen

Schneeglöckchen

‘s war doch wie ein leises Singenin dem Garten heute Nacht, wie wenn laue Lüfte gingen: „Süß Glöcklein, nun erwacht, denn die warme Zeit wird bringen, eh’s noch jemand hat gedacht.“ –‘s war sein Singen, ‘s war ein Küssen, rührt die stillen Glöcklein sacht, dass sie alle tönen müssenvon der künftgen bunten Pracht. Ach, sie konnten’s nicht erwarten, aber weiß vom letzten Schneewar noch immer Feld und Garten, und sie sanken um vor Weh. (Joseph Freiherr von Eichendorff)

Der Leser

Der Leser

Wer kennt ihn, diesen, welcher sein Gesichtwegsenkte aus dem Sein zu einem zweiten, das nur das schnelle Wenden voller Seiten manchmal gewaltsam unterbricht? Selbst seine Mutter wäre nicht gewiß, ob er es ist, der da mit seinem Schatten Getränktes liest. Und wir, die Stunden hatten, was wissen wir, wieviel ihm hinschwand, bis er mühsam aufsah: alles auf sich hebend, was unten in dem Buche sich verhielt, mit Augen, welche statt zu nehmen, gebend anstießen an die fertig-volle Welt: wie stille…

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Thomas Schlesser, Monas Augen

Thomas Schlesser, Monas Augen

„Alles wurde dunkel. Wie mit einem Trauerflor bedeckt. Dann hier und da ein Aufblitzen nach Art der Flecken, die die Sonne verursacht, wenn die Augen hinter geschlossenen Lidern vergeblich auf sie starren, so wie man die Faust ballt, um einen Schmerz oder ein Gefühl auszuhalten. …‚Mama, alles ist dunkel!‘Mona war blind. Dafür schien es keinen Grund zu geben.“ Diese Blindheit ist vorübergehend, sie dauert genau dreiundsechzig Minuten. Dann kann Mona wieder sehen. Sämtliche medizinische Untersuchungen ergeben keinen Hinweis auf körperliche…

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Waschanlage

Waschanlage

Ab und an ist es so weit: Das Auto muss gewaschen werden, damit die eigentliche Farbe wieder sichtbar wird. Lange Zeit bin ich in Waschanlagen gewesen, in die ich das Auto fahren konnte, ich ausgestiegen bin und dann vor der Anlage gewartet habe, bis der Waschvorgang beendet war. Doch mir ist zunehmend der Geruch zuwider gewesen. Die Alternative ist eine Anlage, in der ich sitzen bleiben kann. Fast eine Mutprobe, da ich mich unbehaglich fühle, wenn’s gefühlt eng um mich…

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Winterquartier

Winterquartier

Tiere gehen in den Winterschlaf, verkriechen sich da, wo sie Platz finden. So gibt es GärtnerInnen, die ihnen Laubhügel zurechtharken oder Schnittabfälle bereithalten. Doch was ist mit den oft groß- und liebgewordenen Pflanzen, die Kälte nicht überstehen, warme Räume aber zum Überwintern auch nicht brauchen? In diesem Restaurant hat man den Olivenbaum ins Lokal geholt. Er macht sich gut da, doch ob er sich da auch wohlfühlt? Zum Glück wird in der Gastronomie ja im Innenbereich nicht mehr geraucht, so…

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