Amanda Cross, Die Tote von Harvard

Amanda Cross, Die Tote von Harvard

Schon der Prolog, Briefwechsel zwischen verschiedenen Dozenten der Harvard Universität, lässt erahnen, was eine Frau als Dozentin an der Universität erwarten wird: Ausgangslage ist die folgende Tatsache: „Irgendein niederträchtiger Millionär hat Harvard eine Million Dollar für einen neuen Lehrstuhl im Fachbereich Anglistik angeboren – unter der Voraussetzung, dass er mit einer Frau besetzt wird. Die erfreuliche Tatsache, dass bei uns noch nie eine Frau einen Lehrstuhl hatte, macht uns zweifellos zum geeigneten Opfer einer Wohltätigkeit.„ Und an dieser Universität ist…

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Winternacht

Winternacht

Es wächst viel Brot in der Winternacht,weil unter dem Schnee frisch grünet Saat,erst wenn im Lenze die Sonne lacht,spürst du, was Gutes der Winter tat. Und deucht die Welt dir öd‘ und leer,und sind die Tage dir rauh und schwer:Sei still und habe des Wandels acht:Es wächst viel Brot in der Winternacht. (Friedrich Wilhelm Weber)

Holzstapel

Holzstapel

In einer tief verschneiten, von der Sonne beschienenen Winterlandschaft spazieren zu gehen, ist ein wundersames Erlebnis: Feinster Schnee“staub“, der von den Bäumen rieselt und glitzert, Schneekristalle, die wie Diamanten in der Sonne funkeln, Unberührtheit auf der einen Seite, und dann auch Pferde, die auf einer Koppel miteinander durch den Schnee galoppieren und sich offensichtlich des Lebens erfreuen, sowie viele weitere Spuren des Lebens im Schnee: Sie zeugen in aller Stille von denen, die vor mir schon da waren, von ihrer…

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Schnee

Schnee

Schnee, zärtliches Grüßender Engel,schwebe, sinke –breit alles in Schweigenund Vergessenheit!Gibt es noch Böses,wo Schnee liegt?Verhüllt, verfernt er nichtalles zu Nahe und Hartemit seiner beschwichtigendenWeichheit, und dämpft selbstdie Schritte des Lautestenin Leise?Schnee, zärtliches Grüßender Engel,den Menschen, den Tieren! –Weißeste Feierder Abgeschiedenheit. (Francisca Stoecklin)

Kapellenloser Glaube

Kapellenloser Glaube

Es gibt so wunderweiße Nächte,drin alle Dinge Silber sind.Da schimmert mancher Stern so lind,als ob er fromme Hirten brächtezu einem neuen Jesuskind. Weit wie mit dichtem Diamantenstaubebestreut, erscheinen Flur und Flut,und in die Herzen, traumgemut,steigt ein kapellenloser Glaube,der leise seine Wunder tut. (Rainer Maria Rilke)

Meditation

Meditation

„Ihr solltet Meditation üben beim Gehen, Stehen, Liegen, Sitzen und Arbeiten, beim Händewaschen, Abspülen, Kehren und Teetrinken, im Gespräch mit Freunden und bei allem, was ihr tut. Wenn ihr abwascht, denkt ihr vielleicht an den Tee danach und versucht, es so schnell wie möglich hinter euch zu bringen, damit ihr euch setzen und Tee trinken könnt. Das bedeutet jedoch, daß ihr in der Zeit, wo ihr abwascht, nicht lebt. Wenn ihr abwascht, muß der Abwasch das Wichtigste in eurem Leben…

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Raureif

Raureif

Heut‘ ist ein Glanz auf Erden,Wie ich ihn nimmer sah.In blitzender SilberseideStehn Busch und Bäume da. Der Tag hat tausend SterneGestreut in den weißen Schnee.Wo ich geh‘ und steh‘,Glitzert es, nah und ferne. Auf allen Wegen und GassenFließt goldner Sonnenschein:Hat wohl ein EngeleinDie Himmelstür offen gelassen! (Frieda Jung)

Ein Warum haben?

Ein Warum haben?

Warum stehe ich jeden Morgen auf? Mit dieser Frage hat sich heute Morgen eine Radiosendung beschäftigt, die ich allerdings nicht in Gänze hören konnte. Spontan ging mir Folgendes durch den Kopf: Muss ich diese Frage aktiv beantworten oder reicht es aus, aufzustehen, um am Leben teilzunehmen, oder noch simpler: um zu leben? Das ist vielleicht schon Antwort. Viktor Frankl hat für sich die Frage nach dem Warum mit Nietzsche beantwortet:„Wer ein Warum hat zu leben, erträgt fast jedes Wie.“ (Friedrich…

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Winter

Winter

Jetzt hat der rote Briefkasteneine weiße Mütze auf, schief und verwegen.Mancher hat bei Glatteisplötzlich gelegen,der sonst so standhaft war.Aber der Schnee hat leisund wunderbargeblinkt auf den Tannenbäumen.Was wohl jetzt die Schmetterlinge träumen? (Wolfgang Borchert) Leider kein Schnee, sondern Nieselregen auf gefrorenen Boden. Entstanden ist eine nahezu unsichtbare Eisglasur.Folge: zahlreichen Autounfälle und Stürze. Auch meine Standhaftigkeit ist gestern ins Rutschen geraten – auf dem Weg zur Mülltonne, die heute geleert werden sollen. Ich habe das Glatteis einfach nicht gesehen. Meine „Schutzengel“…

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„Mehr Licht“?

„Mehr Licht“?

„Mehr Licht. mehr Licht!“ Die Finsternis läßt mich nur zagend vorwärts gehn; ich schreite langsam, ungewiß und bleib oft ängstlich tastend stehn. (Karl May, erste Strophe seines Gedichts, „Mehr Licht“) In einer Großstadt wie Hamburg taucht dieser Wunsch erst gar nicht auf. Im Gegenteil, da schwirren einem eher Begriffe wie Elektrosmog oder Lichtverschmutzung durch den Kopf.