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Kategorie: Rezensionen

Milan Kundera, Das Fest der Bedeutungslosigkeit

Milan Kundera, Das Fest der Bedeutungslosigkeit

Das Lesen des Romans zaubert einem ein Lächeln ins Gesicht. Er kommt mit einer Leichtigkeit, mit Humor, feiner Ironie, Wortspielen und Neologismen daher, die einen durch den Roman tragen, unterhalten und gute Laune machen. Vier in Paris lebende, ältere Männer – Alain, Ramon, Charles und Caliban – sind allesamt auf der Suche nach guter Laune, nach Aufmerksamkeit und der Frage, worin eigentlich (noch) ihre Bedeutung liegen könne. So unterschiedlich sie sind, eint sie doch die Frage, wie, wo sie fündig…

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Julian Barnes, Lebensstufen

Julian Barnes, Lebensstufen

„Man bringt zwei Dinge zusammen, die vorher nicht zusammengebracht wurden, und die Welt hat sich verändert. Vielleicht merken die Menschen es nicht gleich, aber das ist egal. Die Welt hat sich trotzdem verändert.“ Die Kapitelüberschriften verweisen auf die drei Dimensionen, in denen Dinge zusammengebracht werden können, die vorher nicht zusammen waren: „Die Sünde der Höhe“, „Auf ebenen Bahnen“ und „Der Verlust der Tiefe“. Es geht vordergründig zunächst ums Ballonfahren und die ersten Luftaufnahmen sowie um Roziers ersten gescheiterten Versuch, mit…

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Sabine Lenz, Die Fähigkeit zu sterben

Sabine Lenz, Die Fähigkeit zu sterben

In „Geschichten vom Sterben“ erzählt Petra Anwar, unterstützt von John von Düffel von ihrer Arbeit als Palliativmedizinerin. Sabine Lenz schreibt über ihre Arbeit mit Krebskranken aus der Sicht einer Psychoonkologin, die meist bei ihr Hilfe suchen „gegen dieses Meer aus Angst, das sie hinaus und in die Tiefe zöge, wenn nicht Strände, Dünen und Wälle, soweit das Auge reicht, davor lagern würden.“ Es ist ein Kampf gegen „eine Todeslandschaft ohne jede Erhebung, nichts woran sich das Lebendige festmachen kann.“ Sie…

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Julia Jessen, Alles wird hell

Julia Jessen, Alles wird hell

„Alles wird hell“ ist ein gelungener Debütroman! Ich habe schon lange keinen Roman mehr gelesen, der mich so fasziniert und gefesselt hat, trotz seiner Schlichtheit in Handlung und Sprache. Er verbindet Einfachheit mit Tiefgang. Und wie tief ich mich einlasse, das entscheide ich als Leser selbst, da mir nichts aufgezwungen wird. In fünf Kapiteln – fünf Lebensstationen und Zeitaltern entsprechend – erzählt Oda ihr Leben und das ihrer Familie, in die sie eingebunden ist, wenn auch als Grenzgängerin, die manchmal…

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Daphne du Maurier, Ein Tropfen Zeit

Daphne du Maurier, Ein Tropfen Zeit

„Ein Tropfen Zeit“ ist bereits 1969 erschienen, jetzt aber von der Edition Büchergilde in einer besonders schönen Ausgabe mit Gemälden von Kristina Andres neu aufgelegt. Ein bebilderter Roman? Natürlich schaut man sich zuerst die Bilder an: © „Kristina Andres/Edition Büchergilde“ Ölgemälde im Original – viele Stilleben ähnlich – die zunächst nicht sehr aussagekräftig zu sein scheinen. Beginnt man aber mit der Lektüre des Romans, bemerkt man, dass die Gemälde wesentliche Aspekte der Handlung in dem entsprechenden Kapitel gekonnt sichtbar machen,…

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Jon Bauer, Steine im Bauch

Jon Bauer, Steine im Bauch

„Ich habe immer behauptet, ich sei ein Pflegekind. Als ich noch klein war, habe ich es jedem Fremden erzählt, bis es sich wie eine Gewissheit in mir festsetzte. Eine Gewissheit, die noch heute da ist und mich daran hindert dazuzugehören.“ Der Ich-Erzähler dieses Debütromans von Jon Bauer wollte immer Pflegekind seiner Mutter sein, um ihre ungeteilte Aufmerksamkeit, Liebe und Zärtlichkeit zu bekommen, die ihm aus seiner Sicht vorenthalten wird, weil immer Pflegekinder im Haus sind. Sein Hass, seine Wut, seine…

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Kritik als Teil von Wertschätzung?

Kritik als Teil von Wertschätzung?

Ist Kritik hilfreich oder verletzend? Über den schwierigen Umgang mit Kritik geht es in der heutigen Sendung „Lebenszeichen“. Kritik als Teil von Wertschätzung, als Möglichkeit sich zu entwickeln, zu formulieren und anzunehmen, kann schon als „hohe Kunst der Kritik“ angesehen werden. Wie kritisiert man wertschätzend und was gehört dazu, Kritik als anregend für die eigene Entwicklung anzusehen? Auf jeden Fall: – Kritik zeitnah – konkret und vor allem als – Ich-Botschaften formulieren und vor allem so, – dass nicht die…

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Lydia Tschukowskaja, Untertauchen

Lydia Tschukowskaja, Untertauchen

Der Roman „Untertauchen“ erzählt vom Kuraufenthalt Nina Sergejewnas, einer alleinerziehenden Schriftstellerin aus Moskau, in einem Sanatorium nur für Schriftsteller, einer schönen hellen, warmen, abgekapselten Welt, zu der das Pesonal zur zum Bedienen Zutritt hat. Nicht einmal Bücher aus der Bibliothek dürfen sie Ausleihen. Nina freut sich darauf, „in der Stille arbeiten“ zu können. „Zwischen diesen fremden Wänden kann ich zu mir kommen, mir selbst gegenübertreten. Aber offenbar steht mir keine ganz einfache Begegnung vor, denn von Anfang an versuche ich,…

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Franz Schubert, Die Winterreise

Franz Schubert, Die Winterreise

Die Winterreise von Schubert nach Texten von Wilhelm Müller sind im Gegensatz zu den damals üblichen Wanderliedern eher innere Monologe eines Protagonisten, der sich als Fremder in der Welt fühlt und heimatlos umherirrt. Die Lieder bringen daher Gefühlslandschaften zu Gehör: Einsamkeit, Gefühl der Verlorenheit, Hoffnungslosigkeit und zunehmender Todessehnsucht, typische Themen der Romantik. IRRLICHT In die tiefsten Felsengründe Lockte mich ein Irrlicht hin: Wie ich einen Ausgang finde? Liegt nicht schwer mir in dem Sinn. Bin gewohnt das irre Gehen, ’s…

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Michael Bergmann, Weinhebers Koffer

Michael Bergmann, Weinhebers Koffer

„Weinhebers Koffer“ ist das erste Buch der Edition Kattegat, die Nikolaus Hansen im Dörlemann Verlag herausgibt, eine Reihe, deren Bücher mit dem Meer zu tun haben. Der Einband ist – wie stets – optisch und haptisch ein Genuss, zumal einen bei der Lektüre wieder ein zum Einband farblich passendes Leseband begleitet. Die Geschichte des Koffers beginnt ziemlich alltäglich: Elias, der Ich-Erzähler, braucht dringend ein besonderes Geburtstagsgeschenk für seine Freundin Lisa Winter und hat überhaupt noch keine Idee. Vorsichtshalber hat er…

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