Verse und Endlichkeit

Verse und Endlichkeit

»Ach, aber mit Versen ist so wenig getan, wenn man sie früh schreibt. Man sollte warten damit und Sinn und Süßigkeit sammeln ein ganzes Leben lang und ein langes womöglich, und dann, ganz zum Schluß, vielleicht könnte man dann zehn Zeilen schreiben, die gut sind. Denn Verse sind nicht, wie die Leute meinen, Gefühle (die hat man früh genug), – es sind Erfahrungen.« (Rainer Maria Rilke) Da stellt sich dann nur die Fragen, wann denn „ganz zum Schluß“ ist und…

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Isabela Figueiredo, Die Dicke

Isabela Figueiredo, Die Dicke

„Die Dicke“ ist der neue Roman des Weidle Verlags aus Bonn, der zunächst erst Anfang März erscheinen sollte, aber schon jetzt im Buchhandel erhältlich ist. Die Vorstellung durch die Autorin auf der Leipziger Buchmesse mit dem diesjährigen Schwerpunkt Portugal fällt – coronabedingt – aus. Also erfolgt die Vorstellung auf dem „Virtualienmarkt“ wie Stefan Weidle in seiner Ankündigung schreibt. „Die Dicke“ ist ein intelligenter, autobiografischer Roman der Journalistin Isabela Figueiredo, eine Art Entwicklungs- und Liebesroman, der sich in der Kapitelaufteilung an…

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(Geistliche) Grüße zum Valentinstag

(Geistliche) Grüße zum Valentinstag

Da war einmal ein Freund, ein Mönch und Priester, zunächst eher nur Freund meines damaligen Freundes. Ich durfte als Frau nur im „Vorhof“ des Klosters“ sein. Innen für Frauen verboten. Dann war der Mönchs-Freund in eine eigene Wohnung gezogen, gemeinsame Besuche mit meinem Freund waren ab da möglich. Irgendwann gab es den Freund nicht mehr, wir hatten uns getrennt. Den Mönchs-Freund gab es immer noch. Über Jahre gab es einen intensiven Briefwechsel, ab und an Besuche, erst allein, später dann…

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Winterlandschaft

Winterlandschaft

Unendlich dehnt sie sich, die weiße Fläche,bis auf den letzten Hauch von Leben leer;die muntern Pulse stocken längst, die Bäche,es regt sich selbst der kalte Wind nicht mehr. Der Rabe dort, im Berg von Schnee und Eise,erstarrt und hungrig, gräbt sich tief hinab,und gräbt er nicht heraus den Bissen Speise,so gräbt er, glaub‘ ich, sich hinein ins Grab. Die Sonne, einmal noch durch Wolken blitzend,wirft einen letzten Blick auf’s öde Land,doch, gähnend auf dem Thron des Lebens sitzend,trotzt ihr der…

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Claude Anet, Ariane. Liebe am Nachmittag

Claude Anet, Ariane. Liebe am Nachmittag

Ariane ist eine äußerst attraktive, intelligente junge Frau, die sich wenig bis gar nicht darum schert, wie man sich als junge Frau zu verhalten hat. Sie hat ihren eigenen Kopf, eigene Vorstellungen vom Leben und von Gerechtigkeit – auch zwischen den Geschlechtern. Gelernt hat sie dies von ihrer Tante Warwara Petrowna, bei der sie zeitweilig aufwächst und dort große Freiheiten genießt. Warwara Petrowna „hatte hinsichtlich der Liebe einen männlichen Standpunkt. Sie nahm sich einen Geliebten, wenn sie das Bedürfnis dazu…

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Alles still

Alles still

Alles still! Es tanzt den ReigenMondenstrahl in Wald und Flur,Und darüber thront das SchweigenUnd der Winterhimmel nur: Alles still! Vergeblich lauschetMan der Krähe heisrem Schrei.Keiner Fichte Wipfel rauschet,Und kein Bächlein summt vorbei. Alles still! Die DorfeshüttenSind wie Gräber anzusehn,Die, von Schnee bedeckt, inmittenEines weiten Friedhofs stehn. Alles still! Nichts hör ich klopfenAls mein Herze durch die Nacht –Heiße Tränen niedertropfenAuf die kalte Winterpracht. (Theodor Fontane)