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Kategorie: Gedichte

Anstachelung beim Zahnstochern

Anstachelung beim Zahnstochern

… Keine Hand vors Gesicht.Komm, Zahnstöcherchen,Piek die PeinigerAus den Löcherchen!Schäme dich nicht,Denn du bist ein kluger Reiniger. Immer wacker gespießt!Wenn auch mal Blut fließt.Ich bin nicht bang.Gesegnete Mahlzeit beim letzten Gang. (Joachim Ringelnatz)

Der Wächter der Lampe

Der Wächter der Lampe

Wachsein ist alles. Es kommt die Nacht und keiner wird keinen erkennen. Haltet Wacht und laßt die Lampen brennen. Alles Werden ist wankend und ungewiß, aber alles Ziel ist Reife. Und das Licht leuchtet in der Finsternis, auf daß sie es einst begreife. (Manfred Kyber)

Nebel

Nebel

Ein Nebel hat die Welt so weich zerstört. Blutlose Bäume lösen sich in Rauch. Und Schatten schweben, wo man Schreie hört. Brennende Biester schwinden hin wie Hauch.  Gefangne Fliegen sind die Gaslaternen. Und jede flackert, dass sie noch entrinne. Doch seitlich lauert glimmend hoch in Fernen Der giftge Mond, die fette Nebelspinne.  Wir aber, die, verrucht, zum Tode taugen, Zerschreiten knirschend diese wüste Pracht. Und stechen stumm die weißen Elendsaugen Wie Spieße in die aufgeschwollne Nacht. (Alfred Lichtenstein)

Hautsache Selbstliebe

Hautsache Selbstliebe

You can – flüstert mir das Meer zu und macht es – vorsichtshalber auch noch sichtbar ;) sich häutenHäutungenetwas geht einem unter die HautdünnhäutigGänsehautHautschuppendas ist zum aus der Haut fahrenmit Haut und Haarenauf der faulen Haut liegenseine Haut zu Markte tragenHautkrankheiten Hautjuckendas juckt mich (nicht)das Fell=Haut jucktIn meiner Kindheit bedeutete die Frage: „Juckt dir das Fell?“ nichts Gutes. Es war die indirekte Androhung einer Strafe, von Prügeln. Wenn die Haut Spiegel der Seele ist, wie geht dann Heilung, wenn die…

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Ein Stein

Ein Stein

Stein der Weisen oder Stein des Anstoßes? Oder einfach nur „Stein“, der die Interpretation und das Verfassen von Gedichten anderen überlässt? Ein kleines Steinchen rollte munterVon einem hohen Berg herunter. Und als es durch den Schnee so rollte,Ward es viel größer als es wollte. Da sprach der Stein mit stolzer Miene:′ Jetzt bin ich eine Schneelawine′ . Er riß im Rollen noch ein HausUnd sieben große Bäume aus. Dann rollte er ins Meer hinein,Und dort versank der kleine Stein. (Joachim…

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Die Bank

Die Bank

(Auf dieser Schlossgartenbank muss man sich nicht rösten lassen, hat dennoch einen Blick in den Blüh-Garten.) Im Parke weiß ich eine Bank,Die schattenreichste nicht von allen,Nur Erlen lassen, dünn und schlank,Darüber karge Streifen wallen;Da sitz‘ ich manchen SommertagUnd laß mich rösten von der Sonnen,Rings keiner Quelle Plätschern wach,Doch mir im Herzen springt der Bronnen. … So sitz‘ ich Stunden wie gebannt,Im Gestern halb und halb im Heute,Mein gutes Fernrohr in der HandUnd lass‘ es streifen durch die Weite.Am Damme steht…

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Spinnweben

Spinnweben

O sieh das Spinnenweb im Morgensonnenschein,wie es vom Thau noch voll kristallner Tropfen hängt!Im leichten Winde wiegt es seiner Perlen Pracht,die in den silbergrauen Maschen hier und dortso flüchtig sich wie sanft und zierlich eingeschmiegt.Sieh, so ist alles Glück. So hängt es flüchtig sichin unsrer Tage schwankendes Gespinst,und es erschauert unter seiner köstlichen Lastdes Majaschleiers weltdurchwallendes Geweb. (Christian Morgenstern)

Regen in der Dämmerung

Regen in der Dämmerung

Der wandernde Wind auf den WegenWar angefüllt mit süßem Laut,Der dämmernde rieselnde RegenWar mit Verlangen feucht betaut. Das rinnende rauschende WasserBerauschte verwirrend die StimmenDer Träume, die blasser und blasserIm schwebenden Nebel verschwimmen. Der Wind in den wehenden Weiden,Am Wasser der wandernde WindBerauschte die sehnenden Leiden,Die in der Dämmerung sind. Der Weg im dämmerden Wehen,Er führte zu keinem Ziel,Doch war er gut zu gehenIm Regen, der rieselnd fiel. (Hugo von Hofmannsthal)

Erinnerungen

Erinnerungen

Erinnerungen an was, an wen? Sie können vielfältiger Natur sein und sehr unterschiedlich festgehalten werden:im eigenen Kopf, in Form von Fotografien, Gedichten, zum Teil auch vertont, so dass sie manchmal dann auch für die Nachwelt erhalten bleiben: So wie Brechts „Erinnerungen an die Marie A.“, u.a. gesungen von der wunderbaren Angela Winkler, die ich schon einige Male bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen erleben konnte. Dieses vertonte Brecht Gedicht ist auf Angela Winklers CD „Ich liebe dich, kann ich nicht sagen.“…

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Die Mücke

Die Mücke

(Stechmücke pixabay) Ein leisestes Gesurr. Auf meine HandSinkt flügelschwirrend eine Mücke nieder,Ein Hauch von einem Leib, sechs zarte Glieder —Wo kam sie her aus winterlichem Land? Ein Rüssel — Schlag ich zu? Missgönn ich ihrDen Tropfen Blut, der solches Wesen nährt?Den leichten Schmerz, den mir der Stich gewährt?Sie handelt, wie sie muss. Bin ich ein Tier? So stich nur zu, Du kleine Flügelseele,Solang mein Blutgefäss Dich nähren mag,Solang Du sorgst um Deinen kurzen Tag! Stich zu, dass es Dir nicht…

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