Aus

Aus

Nun geh ich stumm an dem vorbei,
Wo wir einst glücklich waren,
Und träume vor mir hin: Es sei
Alles wie vor zwei Jahren. Und du bist schön, und du bist gut
und hast so hohe Beine.
Mir wird so loreley zumut,
und ich bin doch nicht Heine. Ich klappe meine Träume zuund suche mir eine Freude.Auf daß ich nicht so falsch wie duMein Stückchen Herz vergeudest. (Joachim Ringelnatz)

Die Bank

Die Bank

So sitz′ ich Stunden wie gebannt,Im Gestern halb und halb im Heute,Mein gutes Fernrohr in der HandUnd laß es streifen durch die Weite.Am Damme steht ein wilder Strauch.O, schmählich hat mich der betrogen!Rührt ihn der Wind, so mein′ ich auchWas Liebes komme hergezogen! (Annette von Droste Hülshoff, 6. Strophe des Gedichtes „Die Bank)

Meine Mutter

Meine Mutter

Sie wäre heute 95 geworden – meine Mutter. Eine insgesamt schwierige Beziehung, aus denen Themen entstanden sind, die mich noch heute beschäftigen. Doch die Art der Beschäftigung hat sich verändert. Sie ist ruhiger, friedlicher geworden, auch weil ich für mich heute Dinge beim Namen nennen kann, die damals nicht gesagt werden konnten, nicht durften, ich heute bei meiner Wahrheit und Wachheit bleiben kann, ohne dafür von ihr bewertet, abgewertet werden zu können – es sei denn, mein innerer Kritiker übernimmt…

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Starker Tod

Starker Tod

„Dass wir erschraken, da du starbst,nein, dass dein starker Tod uns dunkel unterbrach,das Bisdahin abreißend vom Seither:das geht uns an; das einzuordnen wirddie Arbeit sein, die wir mit allem tun.“ (Rainer Maria Rilke)

Szczepan Twardoch, Demut

Szczepan Twardoch, Demut

Nach „Der Boxer“ ist „Demut“ der zweite Roman, den ich von Szczepan Twardoch gelesen habe. Er erzählt auf beeindruckende Weise vom Leben des Alois Pokora, der nicht immer so hieß. Der Roman beginnt, nachdem Alois im Ersten Weltkrieg schwer verwundet in einem Berliner Krankenhaus – nach Wochen ohne Bewusstsein – aufwacht; erzählt wird aus der Ich-Perspektive des Protagonisten. Und der erste Gedanke gilt „seiner“ Agnes: „An dein Gesicht denke ich, wenn am schwarzen Himmel, noch tief über dem Horizont, der…

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Wildgänse rauschen

Wildgänse rauschen

Rausch‘ zu, fahr‘ zu, du graues Heer!Rauscht zu, fahrt zu nach Norden!Fahrt ihr nach Süden übers Meer –Was ist aus uns geworden! (3. Strophe des vierstrophigen Liedes von Walter Flex) Ein großer Schwarm kanadischer Gänse erhob sich, laut schnatternd, von der Wiese, neben der ich mit dem Fahrrad unterwegs war, überflog mich und landete auf der anderen Seite des Feldes, nicht wirklich in einem größeren Abstand als der vorherige.Ich musste gleichzeitig an das Lied „Wildgänse rauschen durch die Nacht“ denken,…

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Imogen Crimp, Unser wirkliches Leben

Imogen Crimp, Unser wirkliches Leben

„Mir gefiel es, dass ich etwas konnte, wovor andere Leute zurückschreckten. Mir gefiel die Entdeckung, dass ich – die Lehrer oftmals bitten mussten, ihre Antwort zu wiederholen, weil ihre Stimme so leise war – einen Raum mit Klang füllen konnte.“ Die, die das von sich sagt, ist Laurie, eine junge Frau, die es trotz äußerer Widrigkeiten und trotz des Widerstandes ihrer Eltern geschafft hat, an einer kleinen Hochschule für darstellende Künste außerhalb Londons einen Studienplatz zu bekommen. Ihr wird sogar…

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Die toten Augen

Die toten Augen

Ich kenne Augen, die sind so müd und arm,Daß mich ein Weinen packt, wenn ich sie sehe;Sie blicken seelenlos und doch so weheUnd fassen Menschen nicht und Alltagsschwarm. Sie sehen nicht und sind doch auch nicht blind.Sie schauen starr und stumm und leer ins Weite,Als ob die Welt ganz fremd vorübergleiteAn ihnen, die nicht mehr empfänglich sind. Die Freude rührt sie nicht und nicht der Schmerz,Sie lächeln nicht und kennen keine Träne,Sie wollen keine Zukunft, keine Pläne:Aus toten Augen blickt…

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