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Kategorie: Buch-Rezensionen

Tamar Tandaschwili, Als Medea Rache übte und die Liebe fand

Tamar Tandaschwili, Als Medea Rache übte und die Liebe fand

Medea Chimschiaschwili ist Leiterin der Abteilung für Schwerverbrechen, ausgestattet mir einer Logik, die einen „Stein spalten“ und einer Intuition, die „das Herz eines jeden Kriminellen durchschauen“ kann. Beides braucht sie bei ihren Ermittlungen. Meist geht es um „sexuelle Gewalt an Frauen – ein georgischer Nationalsport“. Tina, Journalistin und Schulfreundin unterstützt Medea auf journalistischem Weg mit Recherchen und Interviews. Sexuelle Gewalt, Gewalt gegen und Ausgrenzung von Transsexuellen, die von ihren Familien verstoßen werden, unterstützt durch die Ansichten der georgischen, katholischen Kirche…

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Eric-Emmanuel Schmitt, Madame Pylinska und das Geheimnis von Chopin

Eric-Emmanuel Schmitt, Madame Pylinska und das Geheimnis von Chopin

Eric-Emmanuel Schmitts gelingt es in seinen Büchern immer wieder, ernste Themen mit unglaublicher Leichtigkeit, Zartheit und menschlicher Wärme zu erzählen und damit zu berühren. Der Ich-Erzähler von „Madame Pylinska und das Geheimnis von Chopin“ heißt Eric wie der Autor. Inwieweit das Buch autobiografische Züge trägt, weiß ich nicht, muss ich auch nicht wissen, ist dennoch sehr naheliegend. Den Schiedmayer erlebt der neunjährige Eric als Eindringling, der sich „dauerhaft im Wohnzimmer aufhielt, schlafend, wach, meckernd, reglos, lästig. … Unsere Familie duldete…

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Nella Larsen, Seitenwechsel

Nella Larsen, Seitenwechsel

Die Originalausgabe dieses Romans erschien 1929 in New York unter dem Titel „Passing“. Die Verfilmung dieses Romans von Rebecca Hall ist demnächst auf Netflix zu sehen, mit Tessa Thompson, Ruth Negga und Alexander Skargård in den Hauptrollen. „Seitenwechsel“ erzählt von zwei hellhäutigen Frauen mit afroamerikanischen Wurzeln im New York der Zwanziger Jahres des letzen Jahrhunderts. Irene Redfield lebt mit ihrem dunkelhäutigen Mann und den beiden gemeinsamen Kindern in Harlem. Sie ist dort in der afroamerikanischen Gemeinde zu Hause. Die andere…

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Verena Stauffer, Geschlossene Gesellschaft

Verena Stauffer, Geschlossene Gesellschaft

In „Geschlossene Gesellschaft“ von Verena Stauffer schreibt eine Ich-Erzählerin, die zu Beginn des Lock-Downs eine neue Wohnung in Wien bezogen hat und so ziemlich auf sich selbst zurückgeworfen ist, in tagebuchartigen Einträgen von ihren merk-würdigen Erlebnisse in und mit der Außenwelt, der Natur, anderen Zeitgenossen, mit sich selbst und ihrer eigenen Innenwelt. Zeitraum ist der 7. November 2020 bis zum 28. Februar 2021. „Trotz allem, nichts Umwerfendes geschieht, betrachtet man ausschließlich das Leben innerhalb meiner vier Wände. Ich sitze in…

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Susanne Kerckhoff, Die verlorenen Stürme

Susanne Kerckhoff, Die verlorenen Stürme

Nach den im letzten Jahr erschienenen „Berliner Briefen“ ist nun im Verlag „Das kulturelle Gedächtnis“ der Roman „Verlorene Stürme“ von Susanne Kerckhoff erschienen, versehen mit einem Nachwort von Peter Graf. Marete Kartens ist eine mutterlos aufwachsende Gymnasiastin, die bei ihrem Vater, einem Schriftsteller, in gutbürgerlichen Verhältnissen lebt. Sie kennt seine Werke in- und auswendig, da sie es ist, die für ihn die Stücke auf der Maschine abschreibt. Auf der einen Seite ist sie ihm ganz nah: „Die Liebe zum Alleinsein,…

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Volker Kutscher, Mitte

Volker Kutscher, Mitte

„Mitte“ ist nach „Moabit“ der zweite Band – entstanden aus der sich wunderbar ergänzenden Zusammenarbeit zwischen dem Schriftsteller Volker Kutscher und der Illustratratorin Kat Menschik – der als Erzählung in Briefen thematisch anknüpft an die Kriminalromane um Charly und Gereon Rath. In „Moabit“ steht Charly im Mittelpunkt der Erzählung, in „Mitte“ ist es Fritze Thormann, der ehemalige Pflegesohn der beiden, der nach den Mordfällen in „Olympia“ untertauchen musste und jetzt als Friedrich Hutzke unter falschem Namen, mit falschem Pass, allein…

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Theodor Wolff, Die Schwimmerin

Theodor Wolff, Die Schwimmerin

„Die Schwimmerin“ – mit dem Untertitel „Roman aus der Gegenwart“ – erzählt die ungewöhnliche Freundschaft/ Liebesgeschichte zwischen Ulrich Faber und der sehr viel jüngeren Gerda Rohr, eine Beziehung zwischen sehr ungleichen Partnern. Er ist Bankier, lebt gesellschaftlich recht zurückgezogen in einem Hotel, sie ist in jeder Hinsicht ehrgeizig, will es zu etwas bringen, politisch aktiv und immer auf der Seite der Benachteiligten, Unterdrückten. Lange profitiert sie von seinen Erfahrungen, Beziehungen – so verschafft er ihr einen Sekretärinnenjob in einer Bank…

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Thomas Bernhard, Der Atem

Thomas Bernhard, Der Atem

„Der Atem“ ist eine kurze Novelle über den langen, krisenhaften Krankenhausaufenthalt des achtzehnjährigen Ich-Erzählers und seinen späteren Aufenthalt in einer Lungenheilanstalt. Eine Phase, in der lange nicht klar ist, ob er seine Lungenkrankheit überhaupt überleben wird. Sie ist im Residenz Verlag als Graphic Novel erschienen, gezeichnet von Lukas Kummer, einem 1988 in Innsbruck geborenen Illustrators, der in Kassel studiert hat. Lukas Kummer benutzt keine Farben, er bewegt sich in der Gestaltung der Geschichte ganz im Rahmen von Schwarz und Weiß…

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Chimamanda Ngozi Adichie, Trauer ist das Glück, geliebt zu haben

Chimamanda Ngozi Adichie, Trauer ist das Glück, geliebt zu haben

Während der Corona-Pandemie treffen sich die vielen, in unterschiedlichen Ländern und Kontinenten lebenden Familienmitglieder der Autorin zum sonntäglichen Zoom-Meeting. So auch am 7. Juni. Der Vater fühlt sich ein wenig unwohl, sagt allen, sie sollten sich keine Sorgen machen, er habe wahrscheinlich nur schlecht geschlafen. „Ka chi fo“, sagte er. „Gute Nacht.“ Es waren seine letzten Worte zu mir. Am 10. Juni war er nicht mehr da. Mein Bruder Chuks rief mich an, um es mir zu sagen, und ich…

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Maren Wurster, Papa stirbt, Mama auch

Maren Wurster, Papa stirbt, Mama auch

„Papa stirbt, Mama auch“ ist das Ergebnis eines autofiktiven Schreibprozesses, der für die Autorin einen „Zusammenhang, ein Bild, eine Wahrheit“ entstehen lässt, „die vorher nicht da waren.“ Sie empfindet diesen Prozess in Anlehnung an De Man als einen Prozess der „Selbstheilung, des Sich-selbst-Wiederherstellens.“ Der Vater der Ich-Erzählerin – inzwischen selbst Mutter, lebt allerdings mit dem Vater des Kindes nicht zusammen – liegt auf der Intensivstation eines Krankenhause, die demente Mutter muss in eine Betreuung, gegen sie sich allerdings vehement wehrt….

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