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Kategorie: Rezensionen

Eva Vieznaviec, Was suchst du, Wolf?

Eva Vieznaviec, Was suchst du, Wolf?

„Alkoholiker sehen die Welt immer vom dunklen Abgrund aus. Um an der Oberfläche zu bleiben, muss ein bestimmtes Maß an Trunkenheit gehalten werden, sonst wird alles unerträglich. So ist die Realität dieser Krankheit.“Nein, es ist kein Roman über eine Alkoholikerin, obschon Ryna, die auf dem Weg von Deutschland, wo sie als Altenpflegerin gearbeitet hat, nach Hause ist, als „städtische Alkoholikerin“ bezeichnet wird, die die innere Leere mit Alkohol dämpft, sobald sich diese bei aufsteigender Nüchternheit bemerkbar macht. Mit dem Zug…

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Mirja Lanz, Sie flogen nachts

Mirja Lanz, Sie flogen nachts

„Der Wind ist ein Dichter, er schreibtdie Welt ins Reine;nun ruht er und lässt das Leben sich setzen wie Staub.“ Toivo Laakso Diese Zeilen stellt Mirja Lanz ihrem Debütroman „Sie flogen nachts“ voran, der von Aava, einer jungen Frau erzählt, die im Winter in die Heimat ihrer Vorfahren fährt: „Es war ein Land aus Wald und Wasser, das Aava in einem Zug durchreiste, an einem Wintertag, so windstill, dass er flüssig war.“ Es ist ein insgesamt handlungsarmer, sprachlich allerdings sehr…

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Anne Cathrine Bomann, Blautöne

Anne Cathrine Bomann, Blautöne

Elisabeth muss sich im April 2011 von ihrem kleinen Sohn verabschieden, „den sie über Jahre der Spritzen und Hormonbehandlungen hinweg herbeigeschworen hatte, makellos an der Oberfläche, während unter seiner Brust die Krankheit schlummerte.“ Zum Entsetzen der behandelnden Krankenschwester will Elisabeth den Moment, in dem die Maschinen abgeschaltet werden, nicht miterleben. Sie fühlt sich fortan zum Weiterleben verdammt und trauert intensiv mit vielen körperlichen und seelischen Begleiterscheinungen. Ihr Fazit: „Trauer ist eine Krankheit, die einen zerfrisst.“ Was aber wäre, gäbe es…

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Annie Ernaux, Das andere Mädchen

Annie Ernaux, Das andere Mädchen

„Das andere Mädchen“ ist ein längerer Brief an die tote Schwester, von der die Ich-Erzählerin lange überhaupt nichts wusste. Von der Existenz dieser Schwester hat sie auch nicht offiziell von ihren Eltern erfahren, sondern eher aus Zufall durch ein von ihr belauschtes Gespräch zwischen ihrer Mutter und einer jungen fremden Frau aus Le Harvre, die ihre Schwiegereltern in der Stadt besucht, in der auch die Ich-Erzählerin mit ihren Eltern lebt. „Ich kann die Erzählung nicht Wort für Wort wiedergeben, nur…

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Jannie Regnerus, Das Lamm

Jannie Regnerus, Das Lamm

Immer mal wieder habe ich in Romanen Anregungen gefunden, sei es das Parfüm einer Protagonistin, das ich ausprobiert und auch für mich als angenehm empfunden habe, sei es die erwähnte Lektüre oder ähnliches. Dieser nur etwa 100 Seiten umfassende Roman könnte mich inspirieren, nach Gent zu fahren, um mir den Genter Altar von van Eyck anzusehen, der mit seiner Bildsymbolik in „Das Lamm“ eine wichtige Rolle spielt und im inneren Einband in ausgewählten schwarz-weißen Ausschnitten den Roman umschließt. „Joris beugte…

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Sahra Knausenberger, Elke Ehninger, Die Wildmohnfrau

Sahra Knausenberger, Elke Ehninger, Die Wildmohnfrau

Im Kunstanstifter Verlag ist dieser großformatige Roman Sarah Knausenbergers erschienen, der Roman einer ungewöhnlichen, unsteten Kindheit, illustriert von Elke Ehninger und ausgestattet mit einem leserfreundlichen farbigen Lesebändchen. Text und Illustrationen gehen – wie bereits in „Wenn ich Flügel hätte“ – eine sich jeweils ergänzende, verfeinernde, gelungene Symbiose ein. Sie ruft, liegt, wartet,deine Kindheit.Sie lacht, weint, summt,bis du endlichzurückkommstund sie dich wieder kleiden kann. Diese Zeilen der Autorin sind sind dem Roman vorangestellt, der mit Mias Schulabschluss beginnt, der Ich-Erzählerin: „Ich…

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Amanda Cross, Tödliches Erbe

Amanda Cross, Tödliches Erbe

Nach „Die letzte Analyse“, „Der James Joyce-Mord“ und „Thebanischer Tod“ ist „Tödliches Erbe“ der vierte Fall für Kate Fansler, einer mit einem Inspektor verheirateten Literaturprofessorin, deren Neugier und Wissbegierde sie zu einer Art „Pitbull“ werden lässt, wenn sie erst einmal „Lunte“ gerochen hat und ihr bei einem Todesfall etwas merkwürdig vorkommt. Oft ist es ein erster Eindruck, der sie stutzig werden lässt. Weshalb kann sie oft nicht begründen. Kate wird in ihrem Refugium auf dem Lande, weitab von fast allem,…

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Annie Ernaux, Der junge Mann

Annie Ernaux, Der junge Mann

Wenn ich die Dinge nicht aufschreibe,sind sie nicht zu Ende gekommen,sondern wurden nur erlebt. Die Liebesbeziehung der Mitte Fünfzigjährigen mit einem dreißig Jahre jüngeren Mann hat also bereits ihr Ende gefunden. „Ich arbeitete ohne Unterbrechung an meiner Erzählung und parallel dazu, mittels einer entschlossenen Distanzierung, an der Trennung. Zwischen ihr und dem Ende des Buches lagen nur wenige Wochen.“ Im Grunde genommen schreibt die Ich-Erzählerin nicht wirklich über die Beziehung zu diesem jungen Mann, der seltsam blass bleibt, sondern das,…

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Christine Koschmieder, DRY

Christine Koschmieder, DRY

Auf allen möglichen Kanälen sozialer Medien, in Rundfunk und Fernsehen etc. begegnet einem der Begriff „Dry January“. Gemeint ist damit eine – vor allem in Frankreich, Großbritannien und der Schweiz – verbreitete Kampagne, die dazu aufruft, im gesamten Januar, also vier Wochen lang als Krebs- und Alkoholprävention keinen Alkohol zu trinken. Christine Koschmieder bzw. die Ich-Erzählerin in ihrem (autobiografischen) Roman „DRY“ ist da am Ende weiter: Sie bezeichnet sich als (trockene) Alkoholikerin, die keinen Alkohol mehr trinken will, darf, wenn…

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Robert Seethaler, Jetzt wirds ernst

Robert Seethaler, Jetzt wirds ernst

„Mein Weg zum Theater war verschlungen. Unvorhersehbar. holprig. Als Kind hasste ich es sogar, angesehen und vorgeführt zu werden.“ Wie kommt also das Kind eines Elternpaares, das ein Friseurgeschäft in der Provinz betreibt, zum Theater? Über Umwege. Auslöser ist Lotte, ein Mädchen mit grell-pinken Nägeln, die ihn an ein Chevrolet erinnert, das er einmal gesehen und bewundert hat. Eines Morgens sitzt sie einfach so auf seinem Lieblingsplatz auf dem Schulhof, mit einem kleinen, dünnen, gelben Heft im Schoß: „Alles an…

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