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Kategorie: Buch-Rezensionen

Ferdinand von Schirach, Nachmittage

Ferdinand von Schirach, Nachmittage

„Nachmittage“ ist ein ein Erzählband mit 26 mehr oder weniger kurzen, leisen und dennoch tiefsinnigen Geschichten. Die meisten sind offensichtlich entstanden durch Gespräche mit – oft einsamen – Menschen während der vielen (Lese-) Reisen des Ich-Erzählers, der merhfach die nicht immer freiwillige Rolle des Zuhörers einnimmt und dabei manchmal Einblicke in das gesamte Leben eines Menschen bekommt, das durch ein tragisches Ereignis, oft ausgelöst durch Missverständnisse, ungeahnte Wendungen erfährt. Insofern tragen einige Geschichten novellenhafte Züge. Die erzählten Lebensereignisse werden ergänzt…

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Tine Høeg, Tour de Chambre

Tine Høeg, Tour de Chambre

Die 33-jährige Asta ist – wie die Autorin Tine Høeg – Schriftstellerin und schreibt an ihrem zweiten Roman – auch für Tine Høeg ist es nach „Neue Reisende“ der zweite Roman -, als sie die Einladung zu Augusts Gedenkfeier bekommt, der vor 10 Jahren ganz plötzlich verstorben ist. Er war der Freund ihrer Freundin Mai und wie sie selbst auch an Literatur interessiert. Sie haben alle zusammen eine Zeit lang mit noch weiteren Kommilitonen in einem Studentenwohnheim auf der gleichen…

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Steinunn Sigurdardóttir, Nachtdämmern

Steinunn Sigurdardóttir, Nachtdämmern

Steinunn Sigurdardóttir zeigt in diesem Gedichtband auf beeindruckend deutliche, poetische Weise, wie die Gletscher Islands durch den von Menschen zu verantwortenden Klimawandel allmählich verschwinden, für den sich letztendlich – in ihrer Wahrnehmung – niemand wirklich verantwortlich fühlt, obwohl er so klar sichtbar ist: Und wer ist der mensch, der tatenlos diesem ständigen sterben zusieht? In vollem wissen. Für sie sind es die ausbeuterisch handelnden Reichen, mit ihrem Bedürfnis nach champagner für hundert Jahre, operationssälen.Sie prophezeit ihnen: Und sternenlos werden die…

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Nina Bouraoui, Erfüllung

Nina Bouraoui, Erfüllung

Nach „Geiseln“ ist nun Nina Bouraouis zweiter Roman „Erfüllung“ erschienen. Wiederum ist die Protagonistin eine Frau, die Französin Michèle Akli, die mit ihrem zehnjährigen Sohn Erwan und ihrem algerischen Mann Brahim – nach der Unabhängigkeit Algeriens – in einem kleinen Haus mit üppigem Garten über der Stadt Algier wohnt. Michèle ist achtunddreißig Jahre alt, fühlt sich letztendlich aber älter, zudem wertlos und ist davon überzeugt, das ihr Leben „ein großer Irrtum“ ist. Sie kommt offensichtlich mit den Veränderungen in ihrer…

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Margrit Schriber, Das Abenteuer, eine Frau zu sein

Margrit Schriber, Das Abenteuer, eine Frau zu sein

Der als Roman-Biographie bezeichnete Band müsste aus meiner Sicht eher den Titel tragen: „Das Abenteuer, eine Schriftstellerin zu sein“. Denn Margrit Schriber, geboren 1939 als Tochter eines Wunderheilers in Luzern, hat nicht nur die Schwierigkeiten einer jungen Frau zu dieser Zeit zu bewältigen, in der es noch kein Wahlrecht gab und Frauen noch wie selbstverständlich verheiratet waren und allenfalls Hausfrau und Mutter sein konnten, neben der damit verbundenen Rolle als Ehefrau, sondern zudem mit den potenzierten Schwierigkeiten, selbstständig, unabhängig zu…

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Berna González Harbour, Goyas Ungeheuer

Berna González Harbour, Goyas Ungeheuer

Comisaria Maria Ruiz ermittelt, obwohl sie suspendiert ist und somit nicht ermitteln darf. Doch ihren Kollegen nur tatenlos bei deren Ermittlungen zuzuschauen, geht für sie so gar nicht, zumal sie Zusammenhänge sieht oder zumindest erahnt, die ihren Kollegen offensichtlich nicht sehen können oder wollen. Und sie beginnt zu ermitteln – zunächst allein, undercover, den entsprechenden Gefahren ausgesetzt – hat schon sehr früh den tatsächlichen Mörder im Visier, während ihre Kollegen noch Zeit mit einem inhaftierten Professor verbringen, der mit der…

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Thommie Bayer, Sieben Tage Sommer

Thommie Bayer, Sieben Tage Sommer

Wir haben ja nun schon mehr als sieben Tage Sommer mit großer Hitze. Da verlangt es vielleicht nach einer leichten Sommerlektüre, die beim Lesen keine großen Anstrengung erfordert, aber unterhaltsam ist. Da ist „Sieben Tage Sommer“ sicher das Richtige. Der sommerleichte Roman ist ein moderner Briefroman – also ein Austausch per Mail – zwischen Anja, einer jungen Architektin, und dem wohlhabenden siebzigjährigen, menschenscheuen Max Torberg, zwischen denen eine innige Freundschaft besteht. Max Torberg hat Anja gebeten, in seinem Haus in…

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Adeline Dieudonné, Das wirkliche Leben

Adeline Dieudonné, Das wirkliche Leben

„Das wirkliche Leben“ ist der erste Roman der Autorin, bereits mit 15 Literaturpreisen ausgezeichnet und in 20 Sprachen übersetzt. Es ist ein spannungsgeladener, teilweise schockierender Entwicklungsroman – neudeutsch Coming-of-Age Geschichte – der die Leser:innen von der ersten Seite an in seinen Bann zieht. Dabei ist die Umgebung, in der die Handlung spielt, eine Reihenhaussiedlung wie es sie viele gibt, scheinbar alle mit gleichaussehenden Häusern, die sich erst beim näheren Betrachten durch diverse Unterschiede in der Gestaltung oder Nichtgestaltung z.B. der…

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Lene Therese Teigen, Schatten der Erinnerung

Lene Therese Teigen, Schatten der Erinnerung

Die Autorin geht in diesem Roman – überwiegend gespeist aus Tagebuchaufzeichnungen, Notizen und Briefen von Tulla Larsen und Edvard Munch – der Frage nach: Wer war Tulla Larsen wirklich? Sie will damit der vorherrschenden – mehr oder weniger reinen – Fiktionalisierung und Marginalisierung Tulla Larsens entgegenwirken, die aus ihrer Sicht das bisherige Bild Tulla Larsens in der Literatur prägen. Schon früh beginnt sich Tulla dagegen zu wehren, als Frau ihre Bestimmung als „aufopfernde Hausfrau mit großer Kinderschar“ in der Ehe…

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Shulamit Lapid, Lokalausgabe

Shulamit Lapid, Lokalausgabe

„Lokalausgabe“ ist Lisi Badichis – Reporterin bei der Zeit im Süden – erster Fall. Sie ist eine sehr engagierte, zugewandte, Menschen achtende Journalistin, die ihre Arbeit gern, sorgfältig und mit viel innerem und äußerem Engagement macht. In der Redaktion wird sie „Lisi die Bekloppte“ genannt. Das stört sie nicht wirklich, lässt man sie nur arbeiten. Trotz ihrer Größe, war sie keine Frau, „die man groß bemerkte, obwohl man sie nicht gerade als leicht zu übersehen bezeichnen konnte – nicht mit…

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